Bilder und Geschichten aus meinen Reisen
Eine wilde Insel
Die Insel Hokkaido zu sehen war mir ein Bedürfnis, nachdem ich deren Ort auf der Karte ausgemacht hatte. Man befindet sich auf gleicher Höhe wie Vladivostok wo die Sibirische Eisenbahn endet. So machte ich mich auf den Weg, eine Inseltour zu suchen.
Dies fiel mir nicht schwer, weil mein Hotel fast am Bahnhof von Sapporo war, wo die meisten Tourenbusse abfahren. Dennoch musste ich mich durchfragen, bis ich an einem Schalter stand - zwischen lauter Japanern. Kein Langnase in Sicht. Man kann dies als guten Omen ansehen - die Tour ist selbst für Einheimische interessant - oder das Gegenteil befürchten: Die Tour ist so langweilig, dass sich kein Tourist dafür interessiert.
Wie dem auch sei, ich war früh aufgestanden, weil dies eine Tagestour war. Sie sollte an die Landspitze führen, von wo aus das Meer bis Sibirien reicht. Ich wurde gebeten, Platz neben den Leuten zu nehmen, die alle japanisch aussahen. Irrtum, es waren auch Chinesen darunter. Dann kam SIE, unser Guide. Sie grüßte mich höflich und machte Andeutungen, dass ich sie nicht verstehen würde. Kommt bei mir öfter vor, dass ich eine Frau nicht verstehe. Bei dieser hatte ich aber nicht die geringste Chance. Sie zeigte mit ein Blatt aus dem Prospekt, aus dem ich die Tour ausgesucht hatte. So etwa ein Achtel Seite - meine ganze Info für den gesamten Tag!
Als der Bus nach Otaru, der ehemaligen Hauptstadt, abfuhr, setzet sie ihren Hut auf und redete wie die Wasserfälle, die noch zu sehen waren. Kein Wörtchen dachte sie an Aufhören. Als wir nach 35 km in Otaru ankamen, waren die meisten Japaner im Trancezustand. Die Firma wusste schon, was sie mit uns vorhatte. So hielt der Bus nicht in Otaru an, sondern in der nächsten Destille danach. Whisky kosten morgens auf den leeren Magen? Und mit Japanern, die eh keinen Alkohol vertragen?
Nach einem kleinen Kaffee wurde ich weich. Wenn die Dame den ganzen Tag so plaudern tut wie in der ersten Stunde, ist mir doch egal, wer mich betäubt, der Whisky oder die Guide. Dummerweise mag ich keinen Whisky, auch nicht geschenkt. Ich fügte mich meinem Schicksal und trank einen Doppelten. Das war gut so, denn ich konnte wie befreit weiterfahren. Das war auch nötig so, denn Häuser in japanischen Kleinorten sind wahrlich keine Schönheiten. Etwas Whisky macht nicht nur Frauen schöner, auch die Landschaft profitiert davon. Wenn man Geld hat, kann man sich die Welt schönsaufen. Hier geht es auch ohne.
Eine Inseltour ohne Worte
Als ich nach dem Whisky ziemlich bedeppert in die Landschaft guckte, stellte man fest, dass zwei Japanerinnen fehlten. Also blieb der Bus in der Landschaft stehen, man rief die Destille an, die die Damen nachschickte. Als die ankamen, hatte der Whisky in Tateinheit mit der Guide mich ins Land der träume expediert. Als ich aufwachte, saß ich allein in dem Bus, und dieser stand auf einem riesigen Parkplatz. Der höfliche Fahrer hatte aber auf mich gewartet, bis ich von selbst aufwachte. Er begleitete mich an diesen Tunnel, der in einem Hügel ziemlich nutzlos herumstand.
Der Fahrer begleitete mich zu den anderen, die sich jenseits des Tunnels die Landschaft anschauten. Ein kleines Gedicht! Oder besser ein großes? Es war herrlich, da hinten Sibirien zu vermuten. Oder das kalte Wasser unten?
Die Insel hört hier ziemlich schroff ab und läuft an mehreren Stellen auf kleine Inseln, und danach auf kleinere Felsen, aus. An manchen Stellen sind die Hänge so steil, dass die Japaner bis 50 m Höhe oder noch höher Betongitter in die Erde eingelassen haben. Sie halten die Hügeln in Form.
Solche Inseln kannte ich auch aus meiner Heimat, sie waren allerdings nicht mit dem kalten Hauch des Ozean verbunden. Unsere Meere sind eher warm. Und haben mehr Fische, die darin leben. Früher bin ich an solchen Stellen mit einer Harpune unterwegs gewesen und konnte fast immer mein Mittagessen schießen. Hier schießt man nichts, weil das Meer ziemlich fischfrei ist, was Hygieniker entzücken dürfte. Endlich ein Meer, das absolut clean ist.
Solche Strände sollten mir auf dieser Tour noch viel begegnen. Sie sehen hinreißend aus, sind immer toll gepflegt, und sie vermitteln einen Hauch Exotik, was meine Mitreisenden bestimmt nicht so empfunden haben wie ich. Am exotischsten kam mir das Schild unten vor, nicht wegen der vielen japanischen Schriftzeichen, sondern wegen der lateinischen und wegen des Ortes, wo es stand, mitten in der Prairie! Was ich leider nicht verstanden habe, ist die Diskrepanz zwischen den Texten. Entweder schwafeln die Japaner oder der Übersetzer wurde nicht buchstabenweise bezahlt wie bei uns. Wenn man unseren Berliner Tiergarten so gesittet wie hier die Wildnis gestalten wollte, müssten die Schilder ganz anders aussehen. Oder die Hunde müssen woanders ausgeführt werden.

mehr zu der Tour auf der nächsten Seite, weil ich dem Ruf der Natur folgen muss.
Kappadokien ist das Land der schönen Pferde