REISEN - REISEN
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Bilder und Geschichten aus meinen Reisen
Campleben
Rückkehr trotz Krokodile …
Vor zwei Tierarten sollte man sich immer hüten, von denen nur eine den meisten Menschen einfällt, wenn man von gefährlichen Räubern spricht: Krokodile. Die andere Art schaut eher niedlich aus und erfreut sich als Zoobewohner größter Beleibtheit: Nilpferde, auch Hippos genannt. Die beiden trifft man in der gleichen Nachbarschaft, wobei ich mir nicht so sicher bin, ob ich den Verteilmechanismus durchschaut habe. Auf jeden Fall schwammen Hippos abends und morgens an unserem Camp vorbei, und irgendwo in der Tiefe konnten die Krokodile weilen. Die Stellen, wo sie mit Sicherheit zu finden sind, lassen sich an dem flachen Auslauf erkennen, der ihnen den Ausstieg aus dem Wasser erleichtert. Früh am Morgen sind sie auf dem Westufer zu finden, wo sie in der warmen Sonne Energie tanken. In der Frühe bewegen sie sich so träge, wie man sie immer wähnt. Vorsicht!
Denn weder die Krokodile noch die Hippos werden ihrem Ruf gerecht. Lieb in einem Tümpel treibend prustende Hippos können ohne Vorwarnung loslaufen und alles nieder trampeln, das sich ihnen in den Weg stellt. Und die lahm in der Sonne liegenden Krokodile können auf die ersten 100 Meter galoppieren wie ein Pferd. Dass Touristen solche Geschichten nicht glauben, sieht man z.B. daran, dass neun von zehn Opfern von tödlichen Angriffen in Australien zu dieser Spezies Mensch gehören. Alles in Allem kein netter Gedanke, dass der Rückweg zum Camp durch´s Wasser führt - gerade, wenn die Krokodile vollgetankt haben!
So lief mir ein Schauer über den Rücken, als wir das erste Mal eine tiefe Stelle schwimmend überqueren mussten. Dazu wurden die Pferde nackich ausgezogen, während die Reiter nur die Stiefel abgaben, die nicht voll nass werden sollten. Man liegt dann halb auf dem Pferderücken mit der Mähne in der Hand, bis der bestimmte Moment kommt. Das ist, wenn das Pferd den Boden unter den Füßen verliert. Dann fängt es an, zu galoppieren, d.h. es versucht den gestreckten Galopp. Ich wollte just diesen Augenblick fotografieren und hielt meine Taucherkamera in der rechten Hand, als mein Pferd genau das tat. Ich rollte rückwärts über seinen Rücken, während mein Zeigefinger den Auslöser festhielt. So entstand eine Fotoreihe mit einer ungewöhnlichen Perspektive am Anfang und mit einer trüben Sicht am Ende. Zum Glück war ich nicht genau nach hinten gerollt. Sonst hätte ich wohl ein paar Huftritte in die Magengegend gekriegt. Ob das Trampeln des Pferds die Krokodile abgehalten hat?
Die Tage im Okavango werde ich nicht vergessen. Dorthin zurück zu fahren werde ich aber niemals erwägen. Das Erlebnis war so einmalig, dass es einmalig bleiben sollte. Zudem weiß ich nicht, ob ich dort wirklich nur meine Fußabdrücke im Sand gelassen habe, wie P.J. von uns verlangt hat. Wenn möglich, sollte man die Tiere und den 2.500 Jahre alten Baobabbaum in Ruhe lassen. Es ist ihr Land. Kurioserweise verdanken sie ihre Existenz der tödlichen malaria tropica und der noch tödlicheren Schlafkrankheit, die die Besiedlung des Landes verzögert hatten - nichts gegen die Verwüstung des Planeten durch uns!
Die Stunden im Camp glichen genau dem Gegenteil der Reiterei. Nicht Galoppieren im Wasser, sondern Wein schlürfen am Wasser war angesagt. Oder ein opulentes Mahl, von dem sich viele Restaurants mit Sternenschmuck hätten eine Scheibe abschneiden können. Abends mit einem Zigarillo am Lagerfeuer die Parade von mehreren Herden abnehmen, die am anderen Ufer vorbei defilierten, hört sich gut an. Aber noch sanfter und schöner sollte eine Fahrt mit einem Mokoro werden.
Diese Einbäume dienen in vielen Gebieten Afrikas als einziges Transportmittel und wurden früher tatsächlich aus Bäumen erstellt. Einen echten Einbaum durfte ich in Papua fahren - und war nachträglich froh, dass die auf dem Okavango etwas stärker waren. Einbäume laufen nämlich ziemlich schnell voll Wasser und müssen geleert werden, indem die Insassen ins Wasser gehen und das Boot hin und zurück schieben. Mit Krokodilen und Hippos in der Nachbarschaft keine gute Idee.
Mokoros werden normalerweise durch Staken vorwärts geschoben, was natürlich nur in flachem Wasser geht. Man gleitet über allerlei Tierchen, die im Zoo- bzw. Aquariumgeschäft ein Vermögen kosten. An den Ufern liegen die kleinen Krokodile, deren größere Verwandtschaft tieferes Wasser bevorzugt. Angeln kann man während der Fahrt auch. Ob man es schafft, den Fang einzuholen, ist hingegen nicht immer sicher. Hier kann man die Wüstenversion von „Der alte Mann und das Meer“ erleben.
Mokorofahren vermittelt das einmalige Gefühl von der Langsamkeit, die man in unseren Breiten vergeblich sucht. Selbst nach Einnahme von reichlich Valium wirken wir in unserem üblichen Alltag wie Hektiker. Muss das sein? Wer zu dieser Frage nein sagt, und sich ähnlich verhält wie die Afrikaner, dürfte Kandidat dafür sein, deren Schicksal zu erleiden. Afrika wurde schon in der Römerzeit von den nördlicheren Nachbarn heimgesucht, die Punischen Kriege, die hier stattgefunden haben, waren Zwischenstopp und nicht der Anfang der Invasion aus dem Norden. Später kamen die Araber immer weiter in den Süden. Und sogar die Türken, fern der Heimat in Zentralasien, haben große Teile von Afrika beherrscht und zogen sich erst nach dem 1. Weltkrieg in den Norden zurück. Mehrere Jahrhunderte lang wurde der Kontinent ausgeplündert, und zwar gründlich mit Mann und Maus. Mann wurde Richtung USA und Karibik abtransportiert, Maus füllt heute noch die Zoos der Welt.
Und Mokoro? Die Gebiete, in denen Mokoros herrschen, werden immer kleiner, was ist denn ein Stöckchen zum Staken gegen 250 PS Honda? Wrruumm!
Mokoro Mokoro …
Yarramalong ist das Land der wilden Pferde