REISEN - REISEN
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Bilder und Geschichten aus meinen Reisen
Noch mehr Begegnungen …
Catwalk - mal anders …
Wenn hübsche Gazellen, fein drapiert von Karl dem Großen (alias Lagerfeld) von den Augen einer feinen Gesellschaft auf und ab marschieren, nennt sich der Pfad catwalk, die Katzen geben sich die Ehre. Was wäre, wenn ein Kätzchen sitzt und die feine Truppe vor ihm aufmarschiert?
Der eigentlich unmöglichste Fall trat eines Tages ein und traf die meisten von uns wie ein Donnerschlag. An dem besagten Tag wollten vier Reiter von der Gruppe einen gemächlichen Ritt ohne großartige Aufregungen erleben und sonderten sich von den anderen ab, angeführt von Barney. Der Tag ließ sich gut an und man kam recht weit in zwei Stunden. Barney ließ absitzen, damit man die Laufmuskulatur etwas trainieren konnte. Sie plauderte mit einer Reiterin, während eine dritte hinter ihr her lief. Der vierte aus der Gruppe, der Ehemann dieser Dame, merkte plötzlich, dass seine Frau gerade einen mächtigen Löwenmann passierte. Der Löwe saß auf kleinem Sandhügel etwa 5 Meter rechts und guckte recht uninteressiert. Die beiden letzten Reiter fühlten sich zu keinem Entschluss fähig. Sie haben sich nicht einmal verständigt. So trotteten sie wie ein Roboter weiter. Als sie den Löwen passiert hatten, stand dieser auf, riss sein Maul weit auf und …gähnte. Dann trottete er in die Büsche. Die Afrikaner erzählten später, die beiden hätten genau das Richtige getan. Wenn sie den Löwen angeschaut hätten, hätte er sie angegriffen.
Als sich die fünf zu den anderen gesellten, waren sie beseelt vom einmaligen Erlebnis. Wäre es wahr, was man uns am Anfang empfohlen hatte, verlasst euch auf die Instinkte der Pferde, hätte dies nie passieren können. Das sollte nicht das einzige Mal bleiben, wo die Pferde nichts von der Existenz von Löwen vor ihrer Nase gemerkt haben. Eigentlich kaum zu glauben, weil die Tiere praktisch nur den Befehl zum Rückzug annehmen, wenn sie in der Ferne Löwen wittern. Selbst wenn die Löwen so weit entfernt sind, dass man sie mit dem Feldstecher suchen muss.
Das Ereignis, so großartig es war, endete für das Paar unangenehm. Beide schliefen die Nacht sehr unruhig, wie übrigens die anderen drei auch. Am nächsten Tag verweigerten sie den Befehl, abzusitzen und zu laufen. Barney rief sofort den Truck über Radio und ließ die beiden abtransportieren. Sie durften die restlichen Tage nicht einmal im Camp bleiben. Harte Sitten! Aber konsequent …
(Foto von Poliza mit freundlicher Genehmigung)
Nach diesem Erlebnis erlebten wir die Umgebung nicht mehr als so freundlich wie vorher. Auch die, die die Tour vom Erzählen kannten, schlotterten mit den Knien, wenn die Guides in der Ferne Löwen ausmachten. Noch schlimmer, wenn die Ebene leer war und die Löwen vor unseren Augen verborgen blieben. Meist reagierten die Pferde aber richtig und weigerten sich flott vorzugehen. An einem bestimmten Punkt blieben sie einfach stehen. Ferngläser raus und gucken… Irgendwo lag eine Family im Gras oder ein Männchen auf einer Anhöhe, sprich Termitennest. Erhaben sahen sie schon aus, die Löwenmänner. Nur viel von ihnen sehen, wollten wir nicht mehr. Ich hörte die Stimme meines Vaters sagen: „Heldentum besteht zu 90% aus Weglaufen, die restlichen 10% aus Nie-Dagewesen-Sein!“ So ähnlich war uns zumute.
Am vorletzten Tag der Reise ging alles anders. Man sah Löwenspuren kreuz und quer über unseren Weg verteilt. Die Pferde rochen aber nichts. Es wurden immer mehr Spuren, und vor allem, immer größere Tatzenabdrücke. Als ich P.J., der neben mir ritt, die größten Spuren des Tages zeigen wollte, stand der Besitzer dieser Abdrücke plötzlich in ihnen. Wir waren an einem Wasserlauf und von drei Seiten von einem Rudel Löwen umringt. Brenzlig roch es …
P.J. sprang auf den Boden mit der Büchse in der Hand und lud durch. Er befahl uns, durcheinander zu reden und möglichst laut zu brüllen. Aber nur nicht nicht so laut, dass sich die Pferde angesprochen fühlen. Sobald sie weg galoppieren, setzen die Löwen nach. Woanders kann man eventuell wegkommen, weil Löwen, wie gesagt, nicht die besten Jäger sind. Hier aber kam deren fieser Trick zum Einsatz - die Reiter im Glauben lassen, dass sie weg kommen, während die zweite Family drüben wartet.
Langsam und behutsam krochen wir zurück. Plötzlich brüllte P.J. den amerikanischen Professor an, der zwar nicht einmal gut reiten konnte, aber jetzt mit der Justage seines Objektivs beschäftigt war. „Bist du blöd, George?“ „Nein“, sprach George ruhig, „aber 60. So eine Szene erlebe ich doch nie wieder.“ Ich bestimmt auch nicht!
George war wirklich ein hartgesottener Hund. Nachdem wir den Wasserlauf durchschwommen hatten, stieg er sogar vom Sattel und lichtete die Katzenschar auf der anderen Seite in aller Ruhe ab. Sie musste nur einen kurzen Anlauf wagen, um uns zu erwischen. Auf dem Weg zurück bestätigte George immer wieder, dass 60 Jahre Leben genügten, wenn man nur einmal solch ein Erlebnis haben durfte. Leider behielt er seine Aufnahmen für sich. Sie waren wirklich aufregend. Und die Löwen ließen ihn in Ruhe.
Unmögliches Ding: Fischernetz
Die Reise hätte beinah ein unglückliches Ende gefunden durch einen Gegenstand, den es hier nicht hätte geben dürfen: Ein Fischernetz in der Wildnis, herrenlos. Da dieses Gebiet nicht einmal betreten werden darf, konnte niemand ein Fischernetz im Wasser erwarten.
Als wir in 90 cm tiefen Wasser hinter Barney her galoppierten, verschwand sie plötzlich im Wasser. Ihr Pferd versank dazu kopfüber im Wasser und fing an, wie verrückt zu strampeln. Da ich neben den beiden zum Stehen gekommen war, konnte ich das verdächtige Ding diagnostizieren: Die bunten Plastikschwimmer verrieten, dass es sich um ein Fischernetz handelte. Wie zum Teufel kommt ein Fischernetz in ein Wildreservat in Afrika ohne Bewohner?
Wir mussten alle absitzen, d.h. runter ins Wasser gleiten, und die Pferde ruhig halten. Sobald eines von ihnen wegrennen würde, wäre die ganze Meute nicht mehr zu halten. Dank Mr. Leatherman konnte ich das Netz in handliche Stücke zerteilen und dadurch das Pferd von Barney befreien. Währenddessen zitterten alle mit und beteten die vorhandenen und vergessenen oder irgendwie denkbaren Götter an, dass sich das Pferd nicht natürlich verhält. Sonst wäre lässig ein oder zwei Tage Marsch im brusttiefen Wasser fällig gewesen. (Achtung Möchtegern-Käufer: Nur Original Leatherman kaufen. Schneidet sogar Pferdehufe sauber ab.)
Alle Begegnungen mit den ach so gefährlichen Tieren zusammen waren weniger gefährlich als die halbe Stunde gewesen, in der sich diese Szene abgespielt hat. Eine kleine Eselei eines Menschen, der ein Netz hat abtreiben lassen, hätte tödlich enden können. Um ähnlichen Gefahren gewappnet zu sein, tragen Taucher seit Jahrzehnten ein Messer, das sie nie benutzen außer zum Öffnen von Bierflaschen. Wer hätte gedacht, dass ich mein Messer im Okavango Delta zücken muss. Richtig grenzwertig …
Richtig mittenmang - im Löwenrudel
Yarramalong ist das Land der wilden Pferde