REISEN - REISEN
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Bilder und Geschichten aus meinen Reisen
Leider sind wir dieser herrlichen Tiergattung nicht begegnet (Bild: Michael Poliza). Zum einen fehlte uns das Quentchen Glück, zum anderen wollten wir das Glück nicht heraus fordern. Denn man muss sich bei der Suche nach Leoparden in die Nähe der Bäume begeben, auf denen die Tiere gerne ihre Zelte aufschlagen, sprich die Beute hochziehen, um sie in aller Ruhe zu genießen. Ein ganzer Büffel wird es zwar nicht sein, aber eine ausgewachsene Impala wird ohne Probleme auf den Baum gewuchtet. Die Katze lässt sich natürlich ungern stören, bevor der Braten zu Ende ist. Wenn es plötzlich Leoparden regnet, sei es nur ein Tropfen, sollte man sich lieber nicht unter den Bäumen aufhalten.
Die Angst wurde noch geschürt von einer Nachricht, die das Camp gerade erreicht hatte. Einem Jäger, der sich trotz des Jagdverbots einem Leoparden in eindeutiger Haltung genähert hatte, hatte die vermeintliche Beute den Guide auseinander genommen. Diese tolle Story fügte sich in eine Reihe mit einer wahrlich horrorhaften Meldung, die einige Tage vor meiner Abreise die Zeitungen geschmückt hatte: Ein Rudel Löwen gehen in ein Zelt hinein und essen zwei erfahrene Afrika-Touristen auf. Nur die beiden Schädel wurden übrig gelassen. Brrr. Dass die Demels bei offener Zelttür geschlafen hatten, geschenkt! Da wird jeder verstehen, dass ich nicht erpicht darauf war, die nächste Schlagzeile zu liefern. Dennoch schmerzt es mich, diesen herrlichen Tieren nicht in der Natur begegnet zu sein. Nicht einmal eine Safari mit Auto bietet den Schauder, den eine Begegnung zu Ross auslöst.
Tieren im Auto zu begegnen, und gerade solchen wie einem Leoparden, ist Kick genug. Aber trotzdem verbietet sich jeder Vergleich mit dem Erlebnis hoch zu Ross. Da mischt sich Angst mit Aufregung, die Pupillen wachsen, nicht nur ob der Einmaligkeit des Gesehenen. Leider habe ich nie erlebt, wie so was vom Elefanten aus wahrgenommen wird. Vom Kamel aus fühlt sich eine Begegnung jedenfalls gut an, weil man ziemlich weit oben sitzt. Die Tiere nehmen das Kamel weder als Beute noch als Jäger wahr. Manchmal laufen sie einfach unten durch.
(Foto von Michael Poliza mit freundlicher Genehmigung)
Begegnungen besonderer Art
Zwei Schwänze im Gras
Pferde in Pyjama, Gazellen im Hüpfgalopp u.ä. sieht man öfter in Afrikafilmen. Unvergleichlich schöner ist indes, wenn man selber mittenmang reitet. Diesen Gefallen tun die Herden den Reitern aber nicht immer. Irgendwie stehen sie etwas abseits, weil sie den komischen Figuren nicht trauen. Wir sollten aber dennoch erleben dürfen, als Teil einer gemischten Herde mitzudüsen. Ermöglicht wurde dies durch die Begegnung, die ich unten beschreibe, wodurch uns zwei Reiter abhanden gekommen waren. Dadurch waren zwei Pferde frei geworden, die aber exakt ihre Stellung in der Abteilung einnahmen, und notfalls mit Huftritten verteidigten. Sie verließen diese nur, als sie eine Herde von nahen Verwandten sahen, Zebras. Diese waren vermischt mit einer großen Gruppe an Gazellen und besonders Impala. Die Herde nahm unsere reiterlosen Pferde auf und machte zunächst keine Anstalten, auf uns zu reagieren. Erst als wir in ihrer Mitte waren, fingen sie an, in Spiralen auseinander zu galoppieren. Aber nicht aus Angst, sondern durch das Gefühl des Fremden. Nix wie hinterher! Die Tiere spielten Angst, sie hatten aber keine. Das Wasser formte vor unseren Pferden regelrechte Bugwellen, während es von den Hufen nach hinten meterweit geschleudert wurde. Der helle Wahnsinn! Leider sind meine Fotos von diesem Ritt nichts geworden. Etwas verwackelt …
Nachdem die Spiralen etwa einen Kilometer auseinander gegangen waren, zog sich das Ganze wieder zurück in die Mitte, bis wir nach etwa einer halben Stunde dort standen, wo wir angefangen hatten. Nur nicht so trocken. Der Schlamm triefte an allen, Tieren, Reitern und deren Pferden, runter. In gemächlichem Schritt zogen wir von dannen. Ein wahrlich Atem beraubender Ritt ging zu Ende.
Impalas sehen schon im unbewegten Zustand toll aus, und dieser Eindruck wird durch die Grazie ihrer Sprünge weit getoppt. Eigentlich gehören sie in die weitere Verwandtschaft von Ziegen, können aber, anders als die Verwandten, Sprünge bis zu neun Metern absolvieren - und mehrere davon hintereinander. Leider finden sich die schönsten von ihnen, die Herren Impala, nicht in den Herden. Sie leben als Einzelgänger in ihrem Revier und machen jede Impalabraut an, die ihr Revier betritt. Nicht auszumalen, wenn dies unter Menschen Schule machen würde …
Der Kampf der Männchen um die Damen Impala lässt sich in drei Akte aufteilen. Im ersten Akt demonstriert der Macho seine helle Bauchseite, gähnt und lässt die Zunge herausschnellen. Dann senkt das andere Männchen seinen Kopf als Herausforderung zum Kampf. In dem zweiten Akt stehen sich die beiden Kerle mit keck erhobenem Kopf einander gegenüber, rücken vor und ziehen sich wieder zurück. Gibt nach dieser Demonstrationsphase noch keines der Männchen auf, verkeilen die beiden Tiere die Hörner ineinander und schieben sich vor und zurück, trennen sich wieder und beginnen mit ihrem Schiebekampf wieder von vorne, bis eines der Tiere aufgibt. So wie bei allen Ziegen. Nur dass es bei den Impalas wunderbar ausschaut.
Die Schönheit dieser Tiere machte ihren Namen zu einem begehrten Markenzeichen, so für einen Chevy, ein Jagdflugzeug, eine Software usw. Ihr häufiges Erscheinen in Tierfilmen erweckt den Eindruck, als würde es der Art gut gehen. Leider sind die meisten Gazellenarten entweder ausgestorben, wie z.B. die Arabische oder Algerische Gazelle, oder die bestimmte Art ist bedroht. Leider fällt die Liste ausgestorbener Gazellenarten länger aus als die der noch lebenden. Im Okavango denkt aber keine Art an´s Aussterben. Das Wort Paradies ist in diesem Land noch ein Begriff. Gefahr droht allenfalls von den Besitzern des Wassers, das Okavango flutet. Die wollen einen Staudamm bauen und das Wasser selbst benutzen. Das Projekt wäre vermutlich der letzte noch fehlende Beweis dafür, dass der Mensch finster entschlossen ist, seine Lebensgrundlage zu zerstören.
Wenn man nach einem Tagesritt zurück zum Camp trottet, übersieht man manch wunderbares Ding, was zu Hause eine Sensation wäre. Ich weiß nicht, was ich alles nicht gesehen habe. Selbst das größte Landtier soll ich mal übersehen haben. Kann nur erlogen sein. Es hat mich in Ruhe gelassen, obwohl die Tiere immer auf der Hut sind. In diesem Fall sahen wir derart unagressiv aus, dass selbst die Natur ihre angeborene Vorsicht vergessen hat. Die Sonne senkte sich gen Westen und ließ unsere Pferde fast golden glänzen. Eine Viertel Stunde später erlebten wir eine der grandiosen Sonnenuntergänge Afrikas. Wie lange wird es so etwas noch geben? Wenn mir jemand eine Garantie dafür geben würde, dass dies alles unberührt bleiben könnte, würde ich gerne darauf verzichten, zu solchen Orten zu reisen.
Fehlanzeige: Leoparden
Wildebeest alias Gnu im Kampf
Giraffen im Galopp
Giraffen kann man in den seltsamsten Stellungen sehen, so auch in Grätsche beim Wassertrinken oder mit noch weiter gestrecktem Hals beim Essen von Akazienblättern. Seltsam sind sie wirklich. Wer sie aber nicht hat neben sich galoppieren sehen, hat das Beste verpasst. Dieses Glück mussten wir uns richtig erarbeiten, weil die Giraffenherden im Allgemeinen nicht allzu gesellig sind. Angst haben sie zwar allenfalls vor Löwen, aber mögen mussten sie uns deswegen noch lange nicht. Meist sah man sie in der Ferne im Gleichtakt ihre langen Hälse wippen.
An einem schönen Tag war uns das Glück endlich hold: Eine große Herde Giraffen trabte rechts neben uns her und fing an zu galoppieren, als wir uns ihr näherten. Da sie keine Angst hatten, hielten sie einen geringen Abstand. Es wurde ein Ritt, wie er berauschender hätte nie sein können. Zum Glück war die Sonne hinter uns, so dass jeder Reiter einen eigenen Regenbogen entwickelte. Acht Reiter im gestreckten Galopp, dazu zwei Dutzend Giraffen im gemächlichen. Die Pferde schoben eine richtige Bugwelle vor sich her, in der das Licht der Sonne eben den besagten Regenbogen zauberte. Ein Regenbogen da, wo es alle sieben Jahre regnet!
Bei dem wilden Ritt merkten wir nicht, dass die Pferde so viel Schlamm aufwarfen, dass wir nach einer halben Stunde aussahen wie Kinder, die sich reichlich mit Eierpampe beschmeißen. Nur P.J. sah wie ein Mensch aus, der Rest eher wie Monster drapiert mit Fango. Unser Aussehen war uns aber derart egal, dass sämtliche Visagisten und Reinigungsfirmen der Welt um ihre Existenz hätten gebangt, wüssten sie von unserer Ignoranz.
Gnus, auf Afrikaans Wildebeest genannt, treten in Afrika-Filmen meistens als Futter von Löwen und Geparden auf, die großen den Großen, die Kälber für die Geparden. Manchmal werden sie auch von Krokodilen verspeist. Wir durften erleben, dass dies nicht ganz der Realität entspricht, sondern eher einer Inszenierung zu verdanken ist.
Gnus pflegen in der Natur sogar Löwenfamilien anzugreifen, in Tateinheit mit Büffeln, um die Babies zu töten, ehe sie sich zu wilden Jägern mausern. Zuweilen kann nicht einmal die mächtige Löwenmama verhindern, dass ihre kleinen Kinder unter die Hufe des künftigen Bratens geraten. Richtig in Laune kommen die Gnus, wenn sie von Wildhunden angegriffen werden. Diese sind zwar wesentlich kleiner als die großen Jäger, dafür treten sie in Kompaniestärke an und dazu ganz schön frech. Der ungleiche Kampf geht häufig zugunsten der größeren Gnus aus, aber nicht immer. Das wissen die Wildhunde und versuchen es, sooft es geht.
Mich haben die Kämpfe eher an Corrida erinnert. Es fehlte nur die Masse, die bei jedem Angriff Ole brüllte. Die häufig anwesenden Zebras guckten nur gelangweilt zu und dachten naturgemäß nicht daran, mal den Hut in die Arena zu werfen. Die Pyjama-Pferde zeigten sich überhaupt sehr reserviert uns gegenüber. Nur einmal ist es gelungen, in die Herde einzudringen, ohne dass gleich die Flucht ansetzte. Dafür konnten wir zwischen ihnen herrlich rumgaloppieren. Das war Ostern und Weihnachten plus ein Sechser im Lotto gleichzeitig.
Apropos Hut! In der Wildnis muss man sich an eine ziemlich strenge Kleiderordnung halten. Wer weiß trägt, sieht höchstens die Spiegel der Impalas, Löwen und Elefanten sowieso nicht, weil sie entweder Deckung suchen oder auf Angriff übergehen. Meistens Deckung! Gedeckte Farben sind angesagt!
Ein Amerikaner, der seinen Hut aus den Afrika-Filmen abgeguckt hatte, wurde zwar nicht vom Wild, aber von den Schwarzen geschnitten - er trug einen Tropenhelm … Solche Leute hat man in Afrika sehr gerne. Sie wurden früher buana wie Herr genannt und richtig „geliebt“. Wer so viel Fingerspitzengefühl für das Seelenleben der Leute entwickelt, sollte auch in den Städten gedeckte Farben tragen.
Nur wenige Wochen vor der Reise hatte ich den Film Löwenkönig gesehen und mich köstlich über das Warzenschwein Pumbaa amüsiert. Ich meine heute, dass dies nichts gegen die Erscheinung dieser Viecher in der Natur ist.
Die Warzenschweine gehören bestimmt nicht unter die Kategorie Naturschönheiten. Wenn man sie aber wegrennen sieht, vor allem, wenn sie im Gras unsichtbar rennen, kann keiner ernst bleiben. Man sieht meistens zwei wie Fahnenstangen aufgerichtete Schwänze mit einem Büschel am Ende in der Luft wedeln, die in ihrem stetigen Stakkato die kleinen Hüpfbewegungen der Tiere ahnen lassen.
Leider ist das Vergnügen für Reiter nicht etwa ungefährlich. Die possierliche Erscheinung der Tiere lässt einen die Gefahr übersehen, die von ihren Bauen herrührt. Aus welchen Gründen immer befinden sich die Eingänge dicht neben dem Pfad, den andere Tiere wie Gnus für ihre Züge benutzen. Diese ziehen nicht „wild“ umher, sondern eben in geordneten Pfaden. Ob die Warzis die Nachbarschaft anderer Tiere suchen oder denselben Gedanken wie die Reiter hegen - warum neuen Weg ertrampeln, wenn einer schon existiert -, ist mir verborgen geblieben. Wir mussten aber wie ein Schießhund aufpassen, dass das Pferd nicht in einen Bau tritt. Genickbruch für Ross oder Reiter, zumindest ein Beinbruch wäre die unvermeidliche Folge. Darum ritten wir am liebsten im Wasser, wo sich die Gefahr höchstens darin manifestieren konnte, dass die Pferde Barsche zu Flundern treten oder die schönen Kröten zu Breitmaulkröten. Wo das Wasser aufhörte, reihten wir uns hinter P.J. wie in der Abteilung in der Halle.
Überhaupt hat mich die Reiterei an die Halle erinnert. Zum einen, weil die Pferde gerne Abteilung bilden, zum anderen, weil ich in fast zwei Wochen in der Wildnis weniger Probleme mit meinen Pferden hatte als in einer Stunde in der Halle. Die Tiere scheuten nicht einmal beim Wittern von Löwen in der Ferne so stark wie unsere City-Gäule beim Anblick eines Radlers in Berlin Grunewald. Im Reitstall bin ich einige Male außerplanmäßig abgestiegen (worden), wobei mich einmal das Pferd anschließend sogar angreifen wollte. Als ich mich mit einem Hüpfer hinter die Tribüne gerettet hatte, hat die Dame, es war eine Stute, sogar andere Reiter angegriffen. Diese mussten sich fast 40 Minuten ihren Angriffen aussetzen und waren am Ende klatsch nass. Das Irre an diesem Ereignis war, dass die Stute ein Liebling der Kinder war und in der Regel auch bei Erwachsenen lammfromm. Da ich die wundersame Verwandlung auf die Haltung in Ställen zurück führe, bin ich seit Okavango nie mehr in der Halle geritten.
Zebras und Impalas
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Yarramalong ist das Land der wilden Pferde