Reisen ohne Straßen

 

Erbe der wichtigsten Erfindung der Menschheit …


Auch wenn manche Leute den Computer als die wichtigste Erfindung der Menschheit empfinden mögen - für mich, und auch für die meisten, ist es das Rad. Es ist die Erfindung schlechthin. Wo man auch hinsieht - man sieht Räder. Dummerweise funktioniert das Rad nicht so problemlos wie man sich so vorstellt. Es rollt nämlich nur dort, wo man den Boden ebnet. An anderen Stellen rollt es mehr oder weniger schlecht. Deswegen hatten die Inka wohl davon abgesehen, das Rad erfinden zu wollen. Mit dem Schlitten fuhren sie besser. Nun fahren Milliarden Menschen mit anderen Schlitten, die meistens vier Räder drunter haben.

Was macht einer, der die nicht sehen will? Jedenfalls nicht in den Massen … Der reist jenseits der Straße! Z.B. auf dem Wasser, oder aber auf dem Rücken des Pferdes. Das ist das Tier, dem Fredl Fesl exakt vier Beine genehmigt:

        Ein Pferd hat vier Beiner,

        an jeder Ecken einer,

        drei Beiner hätt, umfallen tät!

Auf vier Beinen kann man sich locker befreien von Menschen, die überall hinrollen und dafür Millionen von Kilometern (geteerte) Straße brauchen. Hier stelle ich Seiten von Reisen zusammen, die ich zu Pferde absolviert habe. In der Zusammenstellung fehlt nur ein Kontinent, Europa. Dort habe ich zwar die längste Strecke zu Pferde zurückgelegt, ein richtiges Highlight war leider nicht darunter so wie Extramadura oder Camargue. Ansonsten bietet Europa feinstes Reiten vom Nordkapp bis Sizilien.

Die Reisebeschreibungen fangen ganz hoch an, in Kirgisien im Tien Shan Gebirge, wo man über Edelweiß und Enzian galoppieren kann. Dort ging es bis 4.100 m hoch. Meine geheime Hoffnung, einem Schneeleoparden zu begegnen, wurde erwartungsgemäß nicht erfüllt.  Der nächstniedere Reitort war Cariboo in West Kanada. Dort kann man immerhin echten Grizzlies begegnen. Da lautete meine Hoffnung „Bitte nicht!“ Die dritte Reise führt ins Queensland, Australien. Dort kann man weder Leoparden noch Grizzlies treffen, aber 9 von 10 der giftigsten Tiere der Welt. Einem sind wir tatsächlich auch begegnet, der Aga-Kröte, die ihr Gift 2m weit spucken kann. Sie soll dem größten Teil der Krokodile und Schlangen in Nordaustralien den Garaus gemacht haben. Kröten schlucken war nie ein Vergnügen, bei der Aga-Kröte ist es der sichere Tod. Die letzte der beschriebenen Reitreisen führte ins Okavango-Delta. Es ist das letzte Frontier. Dort kann man Elefanten ohne Leine oder den wildesten Löwen begegnen, die ausgewachsene Elefanten jagen und töten können. Weitaus gefährlicher gehen aber die Begegnungen mit einem sehr gemütlich aussehenden Tier aus, dem Flusspferd. Richtig tödlich gehen aber andere Begegnungen aus, die mit den Mücken. Die sollen für ca. 1.000.000 Tote im Jahr verantwortlich sein. Reiten, wo es keine Straßen gibt! Wege gibt es schon, denn auch Tiere trampeln sich ihre Pfade zurecht.

Wer glaubt, so etwas sei ganz schön gefährlich, sollte sich diese Zahlen ansehen: Bei etwa 50 Stunden in der Reithalle in einer Großstadt bin ich drei Mal vom Pferd gefallen. Bei etwa 5.000 bis 10.000 km im Gelände ist mir nicht einmal der Hut weggeflogen. Ich möchte jeden ermuntern, etwas zu Pferde zu besuchen, auch solche eingeschlossen, die nicht reiten können. Es gibt Pferdetrails für Nicht-Reiter(innen). Nur zu!