REISEN - REISEN
REISEN - REISEN
Bilder und Geschichten aus meinen Reisen
Beim Außencamp
Camp und Außencamp?
Wer eine Pferdesafari absolvieren möchte, sollte sich genau ansehen, ob es sich um einen Sternenritt handelt oder nicht. Das ist kein Ritt zu den Sternen, sondern das Reiten von einem festen Punkt aus. Der Unterschied? Die Leidensfähigkeit des eigenen Po´s und von eventuellen menschlichen Mitbringseln, vulgo Partner genannt. Ehrliche Reiseveranstalter warnen nur selten davor, den Partner mitzubringen, weil am Ort nichts, aber auch nichts für jemanden geschieht, was einen Menschen mit etwas anderen Vorlieben interessieren könnte. Am schlimmsten kann man dies bei linearen Ritten erleben. Wenn der Partner denn so viel Interesse mitbringt, dass er den Anfang mitreitet, hört der Spaß schon am zweiten Tag auf. Auch der beste Wille bricht, wenn das malträtierte Sitzfleisch ein Machtwort spricht.
Die Lösung ist der Sternenritt. Das Camp befindet sich in günstiger Position zu vielen Stellen, die Schönes bieten. Wer nicht will oder kann, bleibt für einen Tag zu Hause und genießt die Ruhe, weil die Meute weg ist. Manchmal erweist sich ein solcher Tag besser als der ausgefallene Urlaubstag, weil man den Menschen im Camp bei ihrem Alltag begegnen kann. Unsere Gastgeber unterhalten ihr Camp im Gebiet Kujwana, geritten wird jeden Tag etwa 30 km bis 60 km. Wenn eine Strecke so lang wird, wäre es für die meisten Reiter zu schwer, den Weg zurück im Sattel zu bleiben. Schließlich arbeiten wir nicht etwa beim Pony Express.
Einige meiner Mitreiter hätten allerdings mit den berühmten Reitern wie Buffalo Bill alias William Cody mithalten können, die beim Pony Express täglich etwa 120 km zu reiten pflegten. Meine Nachbarn hatten zwar nicht den angeblichen Rekord von Buffalo Bill gebrochen (322 Meilen ohne Unterbrechung), aber immerhin im Kalahari einen Endurance Ritt mit 90 bis 100 km am Tag absolviert, bei dem nach einer Woche die Pferde „barfuß“ liefen, weil die Hufeisen abgewetzt waren. Unsere Reise konnte sich mit Fug und Recht eine Komfortreise nennen, weil wir nicht über Stock und Stein reiten mussten, sondern im Wasser oder auf Sand. Der Unterschied machte sich gewaltig merkbar, weil die Pferde nach ihren Sprüngen sanft aufgefangen wurden. Die hiesigen Rösser kann man ebenfalls mit Fug und Recht Flusspferde nennen. So wie die Löwen vom Okavango Wasser liebende Kätzchen geworden sind, so fühlen sich die Pferde wohl in dem nassen Element. Zu hoffen bleibt nur, dass sich die beiden Steppentiere nicht dann treffen, wenn ich auf einem reite.
Die Erweiterung des Sternenritts ist weniger bekannt, Multi-Sternenritt. Da gibt es ein Hauptcamp, von wo aus man die schönsten Stellen erreichen kann, und Außencamps, die man dann und wann aufsucht. Allerdings sollen auch Elefanten schon gelernt haben, dass Außencamps häufig unbewohnt sind. Ihr Umgang mit den Zelten und so soll aber das Prädikat „schonend“ verdienen. Trotzdem hofft man, dass ihr Besuch nicht mit dem eigenen zusammenfällt. Der Elefant im Porzellanladen, den gibt es nur in der menschlichen Gesellschaft oder tatsächlich, wenn man sich so ungeschickt anstellt, dass man mit dem Auto der Herde im Wege steht. Ansonsten sind die Tiere friedlich. Und die Geschichte, dass afrikanische Elefanten nicht zähmbar sind, ist erlogen und erstunken. Im Okavango kann man auf denen sogar reiten. Natürlich, nachdem sie gezähmt worden sind.
Am nächsten Tag konnten wir uns auf dem Rückweg vom guten Manieren von Löwen überzeugen - das Buffet bot kein Bild der Verwüstung! Sie hatten die Tische leer geräumt und alles Fleischige gemütlich weggefuttert. Sie müssen sich hier sehr wohl gefühlt haben. Die Löwen und Elefanten dieser Gegend wissen nämlich, dass hier nicht gejagt werden darf.
Die gefährlichsten Tiere dieser Landschaft tragen weder Pelz noch ein dickes Fell. Sie sind von filigraner Gestalt und nähern sich einem mit leiser Musik - Moskitos, Träger der malaria tropica, der tödlichen Variante des Sumpffiebers. Was kostet die Welt, wenn man so etwas wie im Film erleben darf?
Das Außencamp, hier „fly-camp“ genannt, befand sich in etwa 30 km Entfernung, nicht überraschend an einem Fluss. Die Zelte waren naturgemäß etwas rustikaler als die im Camp. Zuweilen sollen die Gäste das Camp etwas unordentlich vorgefunden haben, weil an den Tagen, an denen das Camp unbewohnt gewesen ist, Elefanten und sonstige niedliche Tierchen hier nach dem Rechten gesehen hatten. Direkt am Wasser war eine etwas erhöhte Aussichtsplattform, der Rest eines Termitenhügels. Wenn man hier eine Anhöhe finden sollte, handelt es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um eine verlassene Siedlung dieser Tiere. Drum herum wachsen dann Bäume in die Höhe, fertig ist ein Camp!
Als sich die meisten Reiter bei einem Drink am Wasser gemütlich gemacht hatten, juckte es mich in den Fingern - lagen doch einige Mokoros am Wasser. Ich nahm mir eine Dose Bier und fing gemütlich an zu staken. Die Gesellschaft schaute amüsiert zu, wie ich mit nur einer Hand das Boot zu bewegen suchte. Das ließ sich nicht so leicht zu bewerkstelligen, weil das Gras die Bewegung abbremste. Nach einigen Metern hatte ich die Lösung gefunden. Ich hatte eine Rinne im Gras entdeckt, die einen doppelten Nutzen entfaltete. Zum einen ließ sich das Boot leichter schieben, zum anderen sorgte die Rinne für Kurshalten. Go, Mokoro, go!
Vom Ufer aus rief P.J. etwas zu mir herüber und die anderen sprangen auf, um in meine Richtung zu sehen. Was soll´s! Haben die keinen Touri gesehen, der ein Mokoro fährt? Nach etwa hundert Metern wusste ich, was die Stunde geschlagen hatte, als ich ein lautes Schnauben wahrnahm. Die Rinne im Wasser war der Trampelpfad eines Hippos! Dies sind ziemlich humorlose Gesellen …
Dose weg und Mokoro wegbeamen! Ich glaube, das Boot kam sogar ins Gleiten. Wenn es nicht wahr ist, dann nett gelogen. Allerdings war dies beileibe nicht die erste große Aufregung des Tages. Die hatten wir beim Mittagessen unterwegs erleben dürfen. Dazu hatten wir an einer anderen Wasserstelle Rast gemacht, wo man von einem riesigen Baum aus ein riesiges Gebiet übersehen konnte. In etwa zehn Meter Höhe war eine große Plattform angebracht, ein richtiges Baumhaus, die eine wunderbare Sicht auf die Umgebung ermöglichte. Darunter befanden sich Liegen zum Ausruhen und einige Tische für das kalt-warme Buffet.
Nach Absatteln der Pferde für die Mittagshitze, hielten wir einen kurzen Klönschnack unter den Bäumen und ließen uns unter den Bäumen nieder. Die Crew war mit dem Aufbau des Buffets beschäftigt. Plötzlich brüllte der Ausguck „Löwen!“. Schneller ist wohl kein Pferd gesattelt worden. In ungeordneter Formation galoppierten wir in die umgekehrte Richtung weg.
Yarramalong ist das Land der wilden Pferde