Safari im Buschland

SAFARI!

Safari bedeutet, wie jedes Kind weiß, Reise, Fahrt - weg von hier! Das Wort ist arabisch. Eigentlich wollten wir nicht weg von Yarramalong, sondern viel lieber hier bleiben. Bei Sonnenuntergang das Lagerfeuer anmachen, die Steaks vorbereiten, Pommes schneiden, jede Menge Zwiebel in die Pfanne hauen und Kartoffeln in Folie wickeln, damit wir gegen Ende der Orgie noch leckere Kartoffeln aus der Asche holen konnten. Wen aber der wayward wind einmal in seine Krallen gekriegt hat, muss stetig Tapetenwechsel üben. Auch wo keine sind, weil der olle Camper eher Schrott war.
Wir fragten vorsichtig nach, ob man nicht etwas weiter - na, Sie wissen schon! John wusste. Er lud noch einige Leute ein, damit wir nicht zu viert in die Prairie ausschwärmen mussten. Eines Tages war es denn so weit. Früh am Morgen ritten wir los. Kurz nach uns begab sich Helen mit dem Jeep auf den Weg, in dem die Zelte und allerlei Campingutensilien verstaut waren. Die Sonne schien. Es war aber nicht allzu warm - es war Winter in Aussieland.
Wer wirklich reiten will, sollte den Sommer überall meiden, wo das Klima extrem ist.  Bei längeren Strecken muss man im Sommer häufig Pause machen, oder gar in Dämmerung reiten und tagsüber schlafen. Diese Idee finden insbesondere Mücken und Fliegen sehr lustig. Und davon leben in Australien viele, weil man zwar Vieh und Schafe hergebracht hat, aber keine Mistkäfer. So finden die Fliegen ohne Mühe genug Mist.

Lake Moogerah muss einst ein Tal gewesen sein. Früher hatte jeder Farmer seine eigene "Talsperre", d.h., er legte einen Damm auf seinem Grundstück an, indem er Wasser aufsammelte. Diese Dinger sind auch heute noch überlebenswichtig, weil Australien zu den trockensten Flecken auf der Erde gehört. Da man auch das große Wasser, Reynold Creek, nicht nutzlos den Bach runter fließen lassen wollte, hat man kurzerhand einen ganz großen Damm gebaut. Im Übrigen sind die Australier ganz groß im Sammeln von Wasser. Z.B. sehen die berühmten Barron Falls nahe Kuranda nur dann so aus, wie Gott sie geschaffen hatte, wenn der Touristen-Zug beim Aussichtsbahnhof anhält. Ansonsten reduziert sich der mächtige Wasserfall zu einem dünnen Rinnsaal. Wir haben dieses einmalige "Naturschauspiel" mal erleben können, weil wir mit dem Auto vor dem Zug angekommen waren. Not macht erfinderisch. Als wir ankamen, sah ich mich in der Gegen herum, weil ein Wasserfall nicht zu entdecken gewesen ist. Dann sah ich, wie ein Rinnsal die Schlucht runter tröpfelte. Enttäuscht wollte ich wegfahren, als ich das Bimmeln des Zuges hörte. Da fiel mir ein, was eine Freundin erzählt hatte. Und Nu toste der Wasserfall!

Das Tor hinter uns lassend trabten wir in das Busch-Wunderland. Völlig unbekümmert, da wir nicht einmal eine Jacke tragen mussten.

Lake Moogerah

Gegen Abend waren ca. 50 km geritten. Die Pferde hatten langsam richtig Durst. Uns tat es an anderer Stelle weh. In einem kleinen Bachlauf entdeckten wir doch trinkbares Wasser für die Tierchen, das sie gerne annahmen. Eines freute sich dermaßen über das kühle Nass, dass es zu nahe an die Baumäste über dem Bach kam. Zu nahe für den Reiter. In der nächsten Sekunde lag er in eben diesem kühlenden Nass. Nicht bös gemeint, die Naturpferde sind nicht so hinterhältig wie die aus deutschen Landen.

Frisch gestärkt, ein letzter Galopp. Und schon waren wir an der Stelle, wo wir unser Lager für die Nacht aufschlagen sollten. Die Pferde freuten sich wahnsinnig und waren kaum noch zu halten. Sie wussten, dass ihr Futter bereits ausgelegt war. Für uns musste noch einiges getan werden. Billyfeuer anmachen, Kaffee aufsetzen usw. Währenddessen besann sich John auf seine großen Sekundärtugenden als Erzähler und beschrieb uns, wie er den letzten Geist an diesem Ort erlebt hatte. Huh!

Die Pferde haben sich wieder daran erinnert, dass manche von ihnen Alpha und andere Beta-Tiere sind. Ines´ Pferd jagte die halbe Meute im Gatter herum, bis Friede eintrat. Die 50 Kilometer hatten an ihm kaum Spuren hinterlassen. An uns schon! Tief am … Jetzt konnte gegessen werden.

Wir warteten noch, bis die Nacht kam. Dann wurde gegrillt und gesungen. Bei Vollmond erwarteten wir einen Geist. Tatsächlich kam aber etwas sogar Selteneres, ein frog mouth, eine Art Eule mit einem froschartigen Schnabel. Daher der Name. Seine Stimme ließ alle erschauern. Eulenrufe rufen selten nette Erinnerungen hervor. Als kleiner Junge hatte ich gelernt, dass Eulen am Fenster derer heulen, die die Nacht nicht überleben werden. So´n Unsinn. Uns gefällt nur nicht, dass sie praktisch unhörbar durch die Nacht huschen. Ansonsten sehen sie richtig nett aus. Mit dem Tod derer, die den nächsten Morgen nicht mehr erleben, haben sie so viel zu tun wie mit der alltäglichen Lichtverschmutzung, die wir freiwillig veranstalten. Die Nachtjäger gehen zum künstlichen Licht, egal ob sie Makrele, Eule oder Fledermaus heißen, weil auch die leckeren Beutetiere das tun. Die Tauchboote vom Roten Meer werden die ganze Nacht von Barrakudas und Haien umschwärmt, weil sie Licht an haben. Am Mittelmeer landen die ganzen Insekten, die nachts jagen, in den Lampen der Marinas und der Yachten und gehen in die ewigen Jagdreviere. Schlimmes bedeuten tat der Eulenruf also nicht.

Schlimmer allerdings sollte die eiskalte Nacht werden. Das war eine Wintersafari! Toll, sie im offenen Zelt zu  erleben!

Lager und Lagerfeuer …

Nun zurück zu Lake Moogerah. Er bietet vom nahe gelegenen Nationalpark Mt. Greville aus einen Atem beraubenden Anblick. Naturgemäß, wenn er voll ist. Man kann darauf segeln, angeln oder einfach schwimmen. Das Wasserski laufen ist nicht mehr gestattet, weil das Finden des Wassers darin doch etwas schwieriger geworden ist.

Am tollsten ist aber ein Ritt am See vorbei. Für uns ein erhabenes Gefühl, für die armen Einheimischen früher ein Luxus. Die trockene Erde gab so wenig her, dass man sich kein Pferd leisten konnte. Viele fuhren mit einem Drahtesel über die Geröllfelder - Fahrrad ohne Gummireifen, voll Stahl! Diejenigen, die ausnahmsweise ein Pferd hatten, mussten es einer Mehrfachnutzung zuführen - equus caballus omnibus. So etwa sah früher ein Schulbus in Queensland aus. Zu fünft auf einem Pferd! Das hält keine Sau aus! Aber ein Shire horse. Egal, heute fliegen die Gören mit Ultraleicht-Bomber in die Schule.

Vorbei am See ging es steil einen Berg hoch. Er hieß irgendwie Elefantenpo oder so, weil er eben wie dieses Objekt aussah. Dort ritten wir wieder an eine "aussichtsreiche" Stelle, an der Picknick angesagt war. Unsere ganze Entourage, Tische, Teller, Töpfe u.ä., war nachgereist. Helen und ihre Helferlein hatten dort Picknick aufgebaut. Und was für eins! Die Kinder haben bis heute nicht vergessen, dass es Hamburger mit rote Beete drin gab. Muss ja keiner essen. Die Pferde haben allerdings nichts gesagt. Deren Mahlzeit schien in Ordnung. Den Elefantenpo sind wir natürlich nicht ganz hochgeritten, dafür aber den sog. Scenic Rim. Man könnte den Namen etwa als Aussichtsgrat übersetzen. Zuweilen kam die Sache einem ziemlich aussichtslos vor, da wir manchmal auf dem Grat entlang galoppierten und nicht wussten, wie es am Ende ausschaut. Wir hatten aber John und vor allem die Pferde. Immer wenn es brenzlig wurde, haben die das Kommando gekriegt. John wusste Bescheid, wenn nicht er, dann die Pferde.

Safaris kannte ich früher vom Großpapa, es hieß, er würde auf Safari gehen, und irgend wann mal war er wieder da, bis er wieder weg fuhr, Safari.  Er war Kapitän, nicht auf großer Fahrt. Später fuhr mein Bruder auf Safari, auf Großer Fahrt. Dort, wo das Bild mit den fünf Gören auf einem Pferd hängt, gibt es eine Ecke, wo die Bilder von ANZAC Friedhöfen im Dardanellen auch hängen. Als sie die Geschichten vom Tod dort lasen, sagten die Kinder, schlimm Papa. Ich musste ihnen sagen, dass, wenn diese Männer dort nicht gestorben wären, es sie nicht gegeben hätte. Großpapa war an der Versenkung der alliierten Flotte beteiligt gewesen, nicht sehr groß, aber effektiv. Nun standen seine Urenkelinnen und weinten um die Versenkten …