REISEN - REISEN
REISEN - REISEN
Bilder und Geschichten aus meinen Reisen
JWD …
Wir sollten in Darwin unseren berühmten Camper in Empfang nehmen. Da ich die Arbeitswut der Aussies gut kannte, hatte ich einige Tage Aufenthalt eingeplant, was sich als richtig erwies. Dies sollten aber ziemlich teure Tage werden. Meine Töchter, die bis dahin ihr Taschengeld für die Reise noch nicht abgerufen hatten, wollten plötzlich Bares sehen. Man konnte in Darwin richtig gut einkaufen.
Zuerst gingen wir zum Outback Laden, wo man sich mit Sachen eindecken kann, die man in der Prairie benötigt. Mückenspray zuerst. Ich versäumte es leider, ein Mückennetz zu kaufen, das man über dem Schlafsack ausbreitet. Da wir im Camper schlafen wollten, schien das Netz mir überflüssig zu sein. Das sollte sich bald rächen.
Binnen zwei Tagen haben meine Damen ihr gesamtes Reisegeld angelegt. Ob gut? Na, ja! Dann kamen wir endlich zu unserem Camper. Das Ding war Marke Eigenbau, weil selten jemand einen Vierradantriebler mit vier Betten mietet. Er hatte mächtige Reifen, damit man gut durch die Flüsse kommt, und natürlich auch einen Schnorchel, ausreichend bis zu einer Wassertiefe von etwa 1,40 m. Einige Ausrüstungsgegenstände, die uns Sicherheit bieten sollten, haben bei uns eher einen Schrecken hervorgerufen. So z.B. das Kurzwellenradio zum Hilfe holen. Ich musste einen Schnellkurs in Funken absolvieren, damit ich die Hilfe nicht aus Alaska holte. Dann führte man uns ein schweres Dreibein zum Heben von Baumstämmen und die vordere Winsch vor, mit deren Hilfe man sich sozusagen selbst aus dem Sumpf zieht. Aber die Krönung des Ganzen bildeten die hygienischen Ausrüstungsgegenstände. Ein Ständer zum Aufhängen des Duschsacks und ein Schemel mit einer Klobrille darauf. Man musste nur eine Tüte einspannen - und los ging´s. Was in so´ne Tüte fällt, ist der Duft der großen weiten Welt. Die Kinder lachen sich heute noch über den Schemel kaputt.
Zu unserem Glück fehlten nur noch die Batterien von Armeekanistern für Wasser und Diesel. Die wurden vorn und hinten angebracht. Ich habe bei der Aufzählung nur noch die Bügelsäge , die schwere Axt und den Vorschlaghammer vergessen. Ja, die gab´s auch für die Miete.
Darwin, so nennt sich eine Stadt voller Leben, die noch vor nicht langer Zeit ein Ort der Traurigkeit gewesen ist. Sie liegt am Ende der längsten Zugpiste der Welt, aber ihre Züge sind nicht von dieser Welt. Road train heißen die Dinger, die sich ihren Weg vom Süden des Kontinents hierher bahnen. LKW mit drei Anhängern und insgesamt 80 m Länge. Sie donnern scheinbar unaufhaltsam über die Teerpiste, bis diese im Norden den Ozean, besser die Arafurasee, erreicht. Von Darwin nach Papua Neu Guinea sind es nur wenige hundert Meilen, nach Indonesien und Timor auch nicht viel mehr.
Darwins Unglück brach an einem Weihnachtstag über sie herein. Am 24. Dezember 1974 erreichte ein tropischer Zyklon der Stärke 4 die Stadt. Er soll über Land die Stärke 5 erreicht haben, die höchste Stufe. Der Zyklon Tracy hat im Gedächtnis der Australier einen ähnlichen Platz erobert wie der „Ash Wednesday“, den ich 1983 in Melbourne erleben durfte. Während der besagte Aschermittwoch große Landstriche eingeäschert hat, hat Tracy so etwa 70% aller Gebäude in Darwin zerstört. Und alle Flieger auf dem Flughafen. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung musste evakuiert werden und kehrte nie wieder zurück. Die Spuren von Tracy lassen sich bis in die Popkultur hinein verfolgen. „Santa never made to Darwin“ von Bill Cate ist eines der bekanntesten Werke. Es gab sogar eine Fernsehserie mit dem Namen Cyclone Tracy.
Sechs Jahre nach dem Zyklon lebte 60 % der ehemaligen Bevölkerung nicht mehr in Darwin. Dafür baute die Regierung die Stadt recht neu auf. So trafen wir sie auch. Lebendig, quirlig, ein Touri-Traum! Heute dürfte sie sogar noch fröhlicher sein, weil der „Ghan“ die Stadt beglückt. Das ist der berühmte Zug, der den Süden, Adelaide wie die deutsche Prinzessin Adelheid, mit dem Norden verbindet. Der Name kommt vom Afghan und ist eine Abkürzung von „The Afghan Express“. Dieser Name wurde allerdings nicht amtlich benutzt, weil er vom Afghan Camel Train abgeleitet wurde. Tatsächlich gab es in Australien Kamelkarawanen, die aus Asien stammten. Da man der Bevölkerung nicht zumuten wollte, zu wissen, dass sie von Indern abhängen, das waren die wahren Kameltreiber, wurde erzählt, die Karawanen würden von den Afghanen betrieben. Ghan wurde 1878 in Angriff genommen und erreichte erst 1929 das Herz von Australien, Alice Springs.
Mit Darwin war Essig, die Stadt war zu klein. Außerdem befand sie sich in Reichweite der Japaner, die sie tatsächlich auch mal bombardierten. Endlich am 4. Februar 2004, nach mehr als einem Jahrhundert, erreichte Ghan Darwin. Heute kann man die Stadt von Adelaide kommend bequem zwei Tagen erreichen. Die Reise wird von allen Reisejournalisten, die sie mal beschrieben haben, wärmstens empfohlen. Ob man sie sich leisten kann, ist eine andere Frage. In jeder Richtung kostet die Fahrt 5,382.00 A$ oder 2.626,-- EUR (Platinum Service). Ein Schnäppchen also. Da der Ghan zu unserer Reisezeit noch seinen Weg in den Norden suchte und ab Alice Springs nur die Wahl zwischen Bus oder Kamel bestand, haben wir denn ein Flugzeug genommen. Dieses Verkehrsmittel für Arme bringt einen für schlappe 400 A$ hin. Essen inclusive, auch wenn nicht ganz exklusiv.
Mit dem Bau des Ghan kam auch das Ende der Kamelkarawanen. 1929 hat man die Kamele der letzten Karawane einfach laufen lassen. So kam Australien zu der Ehre, die letzten wilden Kamele der Erde zu besitzen. Genau genommen, sind es Dromedare. Die australische Wüste hat sich als ideales Biotop für die Viecher erwiesen. Derzeit sollen 500.000 bis 750.000 Höckertiere den Kontinent leer fressen. Das Kamelproblem soll aber auch seine guten Seiten haben. Andere Einwanderer, die Aborigines, sind seit dem Einmarsch neuerer Invasoren, der Europäer, chronisch arbeitslos. Jetzt hoffen sie auf eine Kamel-Vernichtungs-Aktion, die ihnen Arbeitsplätze schaffen soll. Früher haben sie an der Brumby-Vernichtung verdient. Wildpferde, auch Einwanderer.
In Darwin …
Wie man hierher kommt
Mein Gott! Wo wollten wir denn hin? Ich wurde davor gewarnt, die Wege zu verlassen, da mein Equipment hierfür nicht ausgelegt wäre. Ach, nee! Einige Tage später habe ich verstanden, was die meinten.
Vorerst blieben wir aber in Darwin und ließen Gott einen lieben alten Mann sein. Es gab allerlei Zerstreuung, z.B. ein Meeresbecken zum Streicheln von Fischen, Delfine, wild, nicht im Becken, jede Menge Touri-Shops, Backpackerlokale mit lustigen Leutchen, und nicht zuletzt Magic Wok! Das war ein Chinese, der einem sein Essen in drei Minuten zubereitete. Also, aus neun Sorten Fleisch (Kamel bis Krokodil), etwa zwanzig Sorten Gemüse, einer Liste von Saucen die passenden aussuchen, in den Wok geben und abliefern. Drei Minuten später kann man reinlangen. Leider hatte ich beim Lesen der Anleitung etwas übersehen. So haben wir möglichst viele Sorten möglichst reichlich auf den Teller geladen, und es schmeckte etwas gemischt. Die Anleitung hatte aber gesagt, man könne sich viele Woks leisten. Lesen muss man können.
Wer nach Darwin reisen möchte, sollte sich die Jahreszeit genau überlegen. Die Stadt liegt in den Tropen und die Temperatur in den Sommermonaten beträgt so um die 35 ºC, in den australischen Sommermonaten. Das wäre vielleicht noch erträglich, aber nicht bei gleichzeitigem Regen. Der kommt am liebsten in Januar nieder und das heftig. Die Regenmenge des Januar (395 mm) entspricht zwei Drittel der Menge von Berlin, dort fällt er allerdings über´s ganze Jahr verteilt. Wenn noch Wind hinzu kommt - 1897, 1937 und 1974 so heftig, dass große Teile der Stadt zerstört wurden -, hört die Gemütlichkeit auf. Juli bis September sind die besten Monate. Wer die Nationalparks besuchen möchte, hat ohnehin nicht eine andere Wahl, es sei denn, er besitzt amphibische Fahrzeuge. Aber auch dann gibt niemand eine Garantie auf gesundes Wiederkehren, weil die Trennung von Salties, das sind die großen Krokodile, und den üblichen Crocs, nicht mehr gut funktioniert. Da brechen die Dämme, und die Krokodile gehen in verbotene Reviere. Und Salties sollte man allenfalls im Traum begegnen. Sie mögen nämlich Menschen sehr, Touris insbesondere.
Die Tage in Darwin waren traumhaft. Vielleicht weil wir von Kakadu träumten. Auf der einen Seite dachte ich an die Warnung meiner Frau, nicht mit so vielen jungen Mädels in die Wildnis zu gehen, auf der anderen an den Ruf der Wildnis. Wir wollten in die Berge zu den Jim Jim Falls, einem mächtigen Wasserfall. Nach Yellow River auch. Viele Billabongs waren noch zu besichtigen. Und insbesondere das, wo der erste Film Crocodile Dundee gedreht worden war. Wer wissen will, was das für ein Kick ist, möge sich die Szene angucken, wo sich die Journalistin aus New York lässig zum Billabong begibt, und ihre Handtasche von einem Ungeheuer gepackt wird, das aus dem Wasser schießt. Kein Scherz, Krokodile können sich fast vollständig aus dem Wasser beschleunigen und galoppieren wie ein Pferd. Zwar nur für 50 bis 100 m. Reicht aber.
Dann setzten wir uns in den Camper und dieselten Richtung Kakadu.
Yarramalong ist das Land der wilden Pferde