Nix wie hin, Auto mieten und auf den Vulkan fahren. Aber bitte kein Cabrio, denn Hilo, wo man die Dinger bekommt, ist die regenreichste Stadt der USA. Manche Leute geben sogar an, der regenreichste Punkt der Erde sei hier umme Ecke, so etwa 12 m im Jahr soll es gießen. Bescheidene Leute geben den Regen nur mit 3,30 m an 280 Regentagen jährlich an. Ob 12 m oder 3,30 m Regen; wenn er einen erwischt, ist so ein Cabrio im Nu voll, ehe sich das Verdeck schließt. Dafür hat man es sehr warm hier - nicht nur wegen der tropischen Temperaturen. Die Vulkane Mauna Loa und Mauna Kea sitzen auf einer der heißesten Stellen der Erde, hot spots, die nur darauf warten, Feuer zu speien. Während Mauna Kea etwa so seit 6.000 Jahren vor sich hin döst, spuckte Mauna Loa zuletzt 1984 Feuer und droht, es bald wieder aufzunehmen. Er ist nicht nur der größte Vulkan der Erde, sondern mit 33 Eruptionen seit 1843 einer der aktivsten. Selbst für Astronomen bietet Mauna Loa imposante Zahlen: Der Vulkan ragt aus dem Ozeangrund so um die 5 km hoch, und, da die Masse des Berges den Boden mächtig eingebeult hat, etwa 8 km, kommt er auf eine Gesamthöhe von 17 km von seinem Sockel aus berechnet. Etwa die Hälfte von Big Island besteht aus Mauna Loa. Und dessen Gewicht ist derart groß, dass die gesamte pazifische Platte darunter messbar eingebeult ist. Die Weltkugel lässig einbeulen - was für ein Berg!

Ganz anders unser Ziel: Kilauea! Er ist nicht sehr groß, so dass man ihn für einen Seitenkrater von Mauna Loa halten könnte. Tatsächlich kocht hier die gleiche Lava aus der gleichen Quelle empor. Trotzdem stellt Kilauea eine Besonderheit der Extraklasse dar: Er ist Heimat von Pele, der Göttin der Vulkane, und stellt dieser den täglichen Kochherd zur Verfügung. Kilauea ist seit 1952 34 mal explodiert! Das aber fällt bei weitem nicht so imposant aus als die Zahlen über ihre letzte Eruption: Kilauea kocht seit Januar 1983 vor sich hin und lässt ständig massenhaft Lava ins Meer fließen. Es gibt Filme, die zeigen, wie tropische Fische zwischen explodierenden Lavaklumpen rumschwimmen. Die Lava fließt unter Entwicklung mächtiger Dampfwolken ins Meer, nachdem sie etwa 15 km durch Tunnel zurück gelegt hat. Dort explodiert sie ständig kleiner werdend. Am Ende bleibt grün schimmernder schwarzer Sand - frisch aus der Hölle.

Genau das wollten wir sehen.

Lepra und Feuer

Nach Hawaii bin ich bestimmt nicht dafür gereist, wofür man sonst hierher kommt. Etwa am Waikiki Beach relaxen oder ähnlich. Surfen in der Pipeline? Um Gottes Willen! Ich kann nicht einmal auf einer „Meter“-Welle stehen, wie soll ich denn die 12 Meter runterfahren? Ich wollte dort segeln und reiten, außerdem tauchen, wenn möglich. Surfen, ja, aber nur mit einem Segel in der Hand. Das schaffe ich sogar im Stehen. Zugegeben, eine komische Mischung, um ein Motiv für eine Reise nach Hawaii abzugeben. Eigentlich hatte ich überhaupt kein Motiv, außer eine Reise von Paris nach Berlin im Sinne von Columbus (man fährt genau dorthin nicht, wo man hin will) würdig abzuschließen. Anders als die berühmte Reise von Columbus scheiterte meine nicht, weil mir nicht Amerika im Wege stand. Amerika stand erst am Ende eines 60.000 km Flugs.

Meine Kinder und ich wollten vor allem unter Palmen reiten, wozu uns eine Firma angestiftet hatte, die auf der Insel Molokai Reitsafaris anbot. Wie die dazu kommen? Anders als sonst auf Hawaii, z.B. in Honolulu oder auf Maui, ist auf Molokai wirklich nix los. Das hatte ich bereits auf dem Flug dorthin gemerkt, weil der Bomber nach Molokai voller Erntehelfer war, die den Geruch des ehrlichen Bauern verströmten anstelle des Dufts der großen weiten Welt. Zudem hatten sie keine Hawaii-Gitarren bei sich, sondern nur das, was man für die Ernte von Ananas u.ä. benötigt. Da die Firma auch gemerkt hatte, dass auf Molokai nix los ist, boten sie Touris das an, was viele Leute dieser Insel am besten können: Reiten!

Die Insel könnte man ein Vier-Sterne Paradies nennen, wären da nicht einige Kleinigkeiten, die einen mächtigen Abzug an Sternen rechtfertigen. So existierten zur Zeit unseres Besuches ganze 2, in Worten zwei, freie Restaurants. Damit meine ich Lokale, in die man ohne Voranmeldung reinkommt, ohne gleich rauszufliegen. Ansonsten kann man sich natürlich in Etablissements begeben, wo man die typischen Milchbrötchen mit einer Bulette und sonst was dazwischen, genannt Hamburger, zwischen die Zähne schieben darf. In die kam man ohne Visum rein.

Die nächste Kleinigkeit betraf die Geschichte des Eilands. Um einen nicht auf die Folter zu spannen: Die Insel war eine Lepra-Kolonie gewesen. Kein Wunder also, dass der typische Hawaii-Urlauber Molokai nicht kennen will, ihre Hauptstadt Kalaupapa erst recht nicht, weil etwa dort einst die besagte Kolonie stand.

Und die Amerikaner wollen die echten Leute von Molokai nicht kennen. Der größte Teil der Bevölkerung, die ich traf, bestand aus Spaniern - Überlebende der Zeit, als die Insel von Spanien regiert wurde. Zwar leugnen die Amis dies beharrlich und behandeln die Spanier wie Untermenschen, aber das kennt man ja bereits aus dem typischen Western. Selbst Historiker wollen James Cook als ersten Kontakt von Hawaii mit Europa ansehen. Und irren sich mächtig!

Ob anerkennen oder nicht, die Gesetze auf Hawaii sind amerikanisch und damit einzigartig, was unsinnige Auslegungen von Haftung angeht. Wer z.B. Pferde nur auf eine Wiese stellt, die so aussehen, als könnten sie geritten werden, kann durchaus dazu verurteilt werden, einen Idioten, ggf. seine Witwe, zu entschädigen, der bei einem Ritt auf einem solchen Tier sich das Genick bricht. Auch wenn ihm das niemand erlaubt hat.

Ein solches Schicksal hatte den Reitstall ereilt, bei dem wir reiten wollten. Im Hotel hingen noch überall Anzeigen des Stalls, der keine zwei Jahre alt geworden war. Was tun? Ich versuchte meine Kinder mit allerlei Schwimmkunst im Swimmingpool und am Strand, wahrlich einer der schönsten auf ganz Hawaii, zu unterhalten. Nix iss! Nach zwei Tagen hingen die Mundwinkel runter und forderten enorme Taten heraus.

Als wir über die Insel fuhren und deren Vulkane bewunderten, fiel mir plötzlich ein, dass man auf Hawaii überall Feuer unterm Ars… hat, je westlicher, desto heißer. Tatsächlich stehen die mächtigsten Vulkane auf Big Island im Westen, während die östlichsten langsam auf vulkanische Rente gegangen sind. Allerdings muss man diesen Ruhestand als relativ ansehen. Legt jemand ein paar Kohlen nach, können auch andere Schlote auf der Inselkette bummms machen. Neben der größten Insel ist der nächste Vulkan bereits in der Mache, Loihi. Er braucht aber noch ein paar Jährchen, um aufzutauchen. Alles in allem gehören die Hawaii Vulkane zu den berechenbaren. Anders die in unserer Nähe, in Italien. Manche wie der Stromboli neigen zuweilen zu Gewaltausbrüchen, andere hingegen legen sich schlafen, bis das wachsame Auge der Menschen ebenfalls einschläft. Dann macht es rummms und viele tausend Menschen sind tot. So bei dem Vesuv. Die nahe gelegene Stadt Neapel lebt, als gäbe es den Vulkan nur aus touristischen Gründen. Er speist ja auch die Thermen auf Iscia und beherbergt schöne Weinberge.

Wenn man über Vulkane sinniert, sollte man nicht vergessen, dass die feste Erdkruste im Vergleich zur gesamten Kugel dünner ist als die Schale eines Apfels. Darunter liegen viele Varianten des Feuers, die man in der Umgebung des Vulkans an ihrer Beschaffenheit erkennen kann, so sie ans Tageslicht treten. Eines haben sie aber gemeinsam, Vulkane speien zwar Gift und Feuer, auf ihnen wächst und gedeiht üppiges Leben. Wenn man schon nach Hawaii reist, muss man unbedingt die aktivsten Vulkane der Erde sehen …