Wanderer kommst Du nach Monument Valley…

 

Denk an John, mal Ford mal Wayne …

Nachdem mein Fahrer den Anschluss an die Tour gefunden hatte, habe ich mich von ihm verabschiedet und mich in die Obhut des neuen Fahrers begeben. Der trug einen nagelneuen Cowboyhut, war aber, wie gesagt, stolzer Navajo. Er erklärte uns auch, dass der Name nicht der Grund seines Stolzes sein kann, denn den hätten die Spanier erfunden. Sie hätten von Apachu de Nabajo gesprochen, weil ihnen das Volk irgendwie fremd vorkam. Das Land, über das er uns führte, gehörte einst den pueblos, Diese hatten die berühmten Pueblo-Höhlen oder Häuser, wie mann es nimmt, gebaut, in denen sie lebten. Pueblo heißt auf Spanisch Dorf, weil die Pueblo-Indianer ihre Häuser so ineinander schachtelten, dass ein wehrfähiges Dorf entstand. Vor der Ankunft der Weißen soll es etwa 100 pueblos gegeben haben. So etwa 20 sollen heute noch bewohnt sein. Diese erinnern mich an die ersten menschlichen Siedlungen, die man in der Türkei gefunden hat. Auch die kasr der Berber folgen in der Bauweise der gleichen Idee, sich einigeln.

Die Navajos haben lange mit den pueblos und anderen Indianern Handel getrieben, bis die ihren Platz verlassen haben. Man weiß nicht genau, warum. Vor ihnen waren die Anasazi, „die Uralten“, hier ansässig. Sie bauten wohl die Felshöhlenbehausungen, die uns unser Fahrer und Führer zeigte. Verschwunden aus Monument Valley sind sie ohne die Wirkung der Europäer. Heute leben nur noch etwa 300 Navajo hier und achten mächtig auf die Tradition.

Die Anasazi müssen ihren Gang von den Tieren geerbt haben, die sie züchteten, Ziegen. Um an die Stellen zu kommen, wo sie ihre Höhlen gebaut, eigentlich zugebaut, haben, reichen die Künste der Ziegen aus dem Flachland nicht aus, man muss schon Bergziege sein. Die Tiere der Gegend sind in den Felsen verewigt. Naturgemäß nicht naturecht, denn mit den dicken Bäuchen hätten sie kaum die Felsen hoch krabbeln können. Na, ja - Picasso hat sich auch nicht an die Natur gehalten.

Unser Fahrer lebt wie andere traditionsbewusste Navajo in einem hogan, einem sechs- bis achteckigen Bau, mit Lehm bedeckt, mit Holz gestützt. Normale Navajo leben in normalen Hütten, die sogar Strom haben, die anderen verzichten sogar aus fließend Wasser. Kein Wunder in einem Land, wo nur 20 cm Regen im Jahr fallen. (Dass da gefühlte 40 cm letzte Nacht gefallen waren, ist wohl eine Ausnahme.) Ein hogan guckt immer mit der Tür in die aufgehende Sonne. Ich schätze mal, dass es hier im Navajo Country nicht häufig Ostwind gibt.

Die Tür hat es in sich. Durch die dürfen nur Lebende ein und aus. Wenn ein Navajo stirbt, was vermutlich die meisten irgend wann tun, macht man entweder ein Loch in die Nordseite oder man lässt den Toten im hogan und macht die Tür zu. Hiess in Mittelasien kurgan, allerdings hat man viel Gold darin gelassen, in den hogan nicht, die Navajo sind keine Maja oder Azteken. Sie mussten von dem kargen Land leben. Es sieht zwar nicht ganz aus wie eine Wüste, wie man sich in Deutschland diese vorstellt, viel tun außer Touristen melken, kann man wohl dennoch nicht ertragreich. Die kommen aber in Scharen und gerne her, um die einmalige Landschaft zu genießen. Hier gibt es wirklich nur Landschaft, ansonsten keinen Weg, und überhaupt nix. Pardon, es gibt doch etwas, was Menschen von heute gebaut haben - einen Grill aus Eisen. Typisch amerikanisch. Sie finden nix dabei, die ganze Natur mit Abgasen vollzupusten, beim Schutz derselben, so sie den einmal beschlossen haben, sind sie rigoros bis zum geht nicht mehr. So darf man in der weiten Prairie zwar reiten, aber kein Feuer machen wie einst John Wayne oder Berliner im Tiergarten an schönen Sommertagen. Alle Touren gehen mittags an dem Grill vorbei, um Essen zu fassen. Und man nimmt penibel jede Obstschale mit zurück. Bei einer Tour im Grand Canyon hatten wir sogar nicht auf Tö dürfen, sondern auf einen Behälter, dessen wertvoller Inhalt am Ende der Tour an den Ausgangsort zurück gebracht werden musste. Gemessen an denen sind die Navajo Barbaren, denn sie benutzen Altholz zum Grillen, während unser Führer im Canyon einen Gasherd mitschleppte.

Was der Grund dafür war, dass die pueblo die Höhlen ausbauten, um darin zu wohnen, hat uns der Führer nicht erzählt. Der Drang nach Bewegung war es wohl nicht, denn sie mussten lange Strecken zurücklegen, auch nur um etwas Wasser zu besorgen. Um in die Höhle zu kommen, musste man auch noch klein sein. Wie sie die Steine da hoch geschleppt haben, ist auch ein Rätsel. Allzu viel Gesellschaft dürften sie auch nicht gehabt haben, denn manche Suite kann nur eine Person oder zwei beherbergen, dann müssen sie aber beide schlank sein. Der Bewohner muss sich regelrecht durch ein Loch in seinen Wohnraum hinein zwängen. Woraus man ableiten kann, dass die Anasazi vielleicht Klapperschlangen als Beute mit in die Bude genommen haben, aber nie ganze Bisons.

Unser truck quälte sich durch die Landschaft, die noch nicht nach John Ford Country aussah. Aber mit vielen, immer größer werdenden arches, das sind Felsen mit Löchern, die Wind und Wasser hinein gearbeitet haben. Ich wollte gerade schreiben, eine Landschaft wie z.B. … Aber so eine Landschaft kenne ich nicht einmal aus Büchern. Unser Fahrer kannte Teile der Landschaft auch nicht, weil der Regen der letzten Nacht ordentliche Gestaltungsarbeit geleistet hatte. Während ich glaubte, dass es in der Wüste von Arizona Kröten gibt, die bis zu zwei Jahre in der Tiefe vergraben auf den nächsten Regen warten, damit sie laichen können, hoppelten uns hier Frösche entgegen. Man stelle sich die Gewalt von Regengüssen und derer Folgen (flash flood) vor, die solche Löcher in die Felsen fressen. Brrrr…

An anderer Stelle sollte ich noch erleben, wie diese Felsen das Wasser aufsaugen und wieder abgeben, wodurch die Geschichten von weinenden Felsen entstanden sind. Das Geheimnis des Ganzen liegt in der geologischen Beschaffenheit: Vor vielen hundert Millionen Jahren bestand die Gegend des heutigen Monument Valley aus einem riesigen Tieflandbecken. In ihm wurden zunächst Schichten über Schichten von Sedimenten aus den frühen Rocky Mountains abgelagert und wurden zu Gestein, hauptsächlich zu Kalkstein und weicherem Sandstein. Die ältesten in der Region aufgeschlossenen Gesteine stammen aus dem Pennsylvanium vor etwa 300 Millionen Jahren. Die bekannten Tafelberg-Strukturen bestehen aus etwa 275 Millionen Jahre altem De Chelly Sandstein aus dem frühen Perm. Im Rahmen der Gebirgsbildung vor etwa 70 Millionen Jahren wurde die Oberfläche durch den stetigen Druck von unten angehoben. Das einstige Becken wurde zu einem 2100 m hohen Felsplateau!



















In den letzten 50 Millionen Jahren arbeiteten Wind, Regen und Temperaturen daran, die Oberfläche des Plateaus zurückzuschälen. Der Vorgang des einfachen Abtragens der sich abwechselnden harten und weichen Gesteinsschichten schuf die gewaltigen Tafelberge (zum Beispiel „Raingod Mesa“, „Thunderbird Mesa“), die bis zu 300 m hoch über die Hochebene des Colorado-Plateaus ragen und charakteristisch für die Landschaft des Monument Valleys sind. Die überall vorherrschende rötliche Farbe der Felsen resultiert aus dem Eisenoxid, das in den Gesteinsschichten enthalten ist.

Also hatte das Wasser hier eine leichtere Aufgabe als z.B. in den Alpen, wo es viel länger arbeiten muss, um einen Berg nach seinem Willen zu formen. Das Ergebnis sieht aber dann aus wie in den Pyrenäen mit rundlicheren Bergen. Zu Tafelbergen werden sie aber nicht. 

Was sich in diesem Bild wie eine nette Landschaft mit Wasser und Grünzeug präsentiert, ist eine ziemlich menschenfeindliche Landschaft, die wohl deswegen den Indianers erhalten geblieben ist. Noch schlimmer waren die Sümpfe von Florida (Everglades) angesehen worden. Da hat die amerikanische Kavallerie die Indianer hingetrieben und nicht einmal verfolgt, weil … Sie haben überlebt und das „Indianer-Casino“ erfunden. Die in Monument Valley treiben das Geld eher bei den Touristen ein.