REISEN - REISEN
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Bilder und Geschichten aus meinen Reisen
Endlich am John Ford Point
Nach einem schönen Grillfest
Nachdem wir den ganzen Vormittag einen Felsbogen nach dem anderen, eine Wohnhöhlen nach der 10. bewundert hatten, kam der große Augenblick des Essenfassens. Der übliche Cowboy kocht da einen Kaffee, Nobody würde eine Pfanne mit Bohnen aufsetzen, Mick Dundee einen Leguan grillen. Na, ja, in Monument Valley wird man wohl keinen Leguan verspeisen. Kakteen ausdrücken, um den Saft zu trinken, ist wohl auch nicht drin. Kakteen gibt es hier eh nicht. Also? Unser Führer steuert eine Geheimstelle unter einem Felsen an, wo alles schon auf uns wartet, ein großer Grill, zwei Tische und vier Bierbänke. Wie gesagt, er darf wohl Altholz sammeln, um den Grill anzumachen. Ansonsten dürfen wir nur Auspuffgase - und auch eigene - wie soll man sagen - Erzeugnisse da lassen. Aber nur in einer geschlossenen Zelle. Die beste davon hatte ich auf den Anacapa Islands vor Los Angeles erlebt. Eine große Grube, die richtig lebt. Da waren die Sandgruben im Okavango nichts gegen. Dort blieb alles unter dem Sandhaufen erhalten, d.h. die Bestandteile davon. In der Grube von Anacapa wurde der gesamte Inhalt biologisch zersetzt. Dass die so gemästeten Maden sich anschließend in wundervolle Schmetterlinge verwandeln und wegfliegen, damit nichts auf der Insel bleibt, geschieht leider nur in meiner Phantasie.
Das Essen bestand aus dem, was man bei McDingsbums auch bekommt. Hier gab es aber auch Vegetarisches für Leute, die nicht für eine Bulette einen Bullen schlachten wollen. Schmeckt wie Döner Kebab vegetarisch, nix Fleisch, aber der Name bleibt. Nach dem Essen und dem Gang - nicht nach Canossa - zum Örtchen ging es richtig los. Ich hatte gedacht, die wunderbaren Tafelberge würde ich nur aus der Ferne sehen. Stimmt nicht. Die Gegend, die wir vormittags besucht hatten, war nur ein Vorspiel.
Wir fuhren vorbei an Bergen, die ich gerne fotografiert hätte, immer weiter Richtung Straße. Und ich dachte, die Tour wäre schon zu Ende, weil wir kurz vor Goulding wieder auf dem Asphalt waren. Die richtige Tour sollte eigentlich hier beginnen, denn wir fuhren zu der Stelle, wo die Hauptattraktion gen Himmel ragt, die Szenerie des Wilden Westens schlechthin. Ich hörte die Kavallerie galoppieren, die Glocken bei Spiel mit das Lied vom Tod und die Mundharmonika von Charles Bronson, dem Mann, dessen Gesicht eine Lokomotive stoppen könnte. So hatte die Begründung von Sergio Leone gelautet zugunsten von Bronson. Die Musik des Films gehört zu den bekanntesten der Filmgeschichte und wird mit Monument Valley assoziiert. Etwas zu unrecht, weil Ennio Morricone die Musik lange vor dem Film komponiert hatte. Monument Valley wurde später bei der Verfilmung teilweise der Musik angepasst.
Die Szenerie hier wird man in unendlich vielen Versionen in diversen Filmen sehen. Ob die Zuschauer immer daran denken, dass man hier die Allmacht des Wassers bewundern muss? Man denke, dass diese Ebene einst bis über die „Spitze“ der Berge aus Felsen bestand. Dann kam das Wasser, sehr wenig Wasser, nur 20 cm im Jahr, und fegte alles in den Ozean.
Die Menschen mussten sich mit dem wenigen Wasser begnügen, wodurch ihre Kultur zu den „behinderten“ Kulturen gehört. Bedeutet, sie konnte sich nicht frei entfalten. Ähnliches ist den Inuit passiert, die wahrscheinlich mit den Indianern verwandt sind, aber es vorgezogen haben, im Norden von Asien und Amerika zu leben. Sie sind übrigens die einzige Menschengruppe, die ihren kompletten Vitamin-D-Bedarf aus der Nahrung decken können. Dasselbe mit Wasser, also den gesamten Wasserbedarf aus der Nahrung decken, können zwar viele Tierarten, Menschen gehören indes nicht dazu.
Dass die rauen Cowboys das Wasser scheuen und deswegen nur Whisky trinken und sich nie baden, ist ebenso eine Wild-West Legende wie der edle Indianer Winnetou.
Die Tour im Park kann zwei oder mehr Stunden dauern. Dabei bewundert man bekannte „Größen“ wie Sentinel Mesa, Three Sisters oder Totem Pole. Wovon ich nie gehört hatte, ist der Stiefel von John Wayne. Sieht wirklich aus wie gerade ausgezogen. Es fehlen nur die Sporen daran. Auf dem Felsvorsprung, wo einst John Ford seine Kamera hat aufstellen lassen, jetzt John Ford Point, reitet jetzt ein Cowboy, der aussieht wie Lone Ranger, vor und zurück. Na, ja!
Die staubige Piste, d.h. die ansonsten staubige Piste, wird von vielen Touri-Vehikeln befahren, die sich ähneln. Wenn sich aber Petrus entschließt, die Pforten des Himmels zu öffnen, merkt man, dass sie doch nicht ähnlich sind. So hatte ich ohne weitere Gedanken im sommerlichen Hemd unseren truck bestiegen. Als wir am John Ford Point waren, fühlten wir uns glücklich, weil wir oben sicher waren. Unten peitschte der Wind große Regentropfen über die Prairie, ab und an sah man „Eis“, das war Hagel. Die Körnung kann man an meinem Foto erkennen. Die Berge sahen zeitweilig verschneit aus.
Fast alle trucks mussten in die Nähe größerer Felsvorsprünge fahren und die Touris entladen, die die nächste Stunde frierend und nass stehend verbringen mussten. Unser truck war einer der wenigen, die man sofort umbasteln konnte. Zwar kam der Regen hier und dort durch die Ritzen und tröpfelte langsam alle Sitze voll. Wir hatten es relativ warm und gemütlich mitten im Inferno.
Ich möchte mich bei dem Verantwortlichen bedanken, dass ich meine heiß ersehnte Reittour nicht habe antreten können. Einen halben Tag in der Nässe reiten und später den Abend in einer unbeheizten Hütte zu verbringen, muss man wirklich Idealist sein.
Yarramalong ist das Land der wilden Pferde