REISEN - REISEN
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Bilder und Geschichten aus meinen Reisen
Versteinerter Wald - Petrified Forest
Eine Brücke aus Achat
In amerikanischen Verhältnissen gesehen unweit des Monument Valley befindet sich eine besondere Wüste, Painted Desert. Sie war den spanischen Eroberern schon aufgefallen, die sie El Desierto Pintado nannten. Später wurde der Name von den Amerikanern einfach übernommen. Der Nationalpark, der diese Wüste einschließt, endet in einem bizarren Land, nachdem man durch ein noch bizarreres gefahren ist - Badlands. Ganz am Ende findet man eine versteinerte Landschaft, allerdings nicht aus Felsen, sondern aus Bäumen. Manche von denen sehen aus, als wären sie vor ein paar Jahren hingefallen und keine Zeit gefunden, zu verrotten. Die Gegend wird Petrified Forest genannt- ein versteinerter Wald. Übrigens, in dieser Landschaft, die Wüste heißt, leben viele Pflanzen, nur nicht überall und auch nicht üppig. Unsere Vorstellung von Wüste ist eher durch die Bilder der Sahara geprägt.
Die Bäume liegen wohl einige hundert Millionen Jahre hier und wären beinah in wenigen Jahren weggekommen, hätte man nicht einen Nationalpark errichtet. Viele viele Menschen waren nach den Resten her, die man waggonweise abtransportiert hat. Heute wird man beim Ausgang schön gefilzt, damit man nichts aus dem Park schmuggeln kann. Allerdings muss man sich nicht der Gefahr einer empfindlichen Strafe aussetzen, denn unweit des Parks gibt es Händler, die einem alle möglichen Größen von versteinerten Bäumen anbieten. Ich habe das Angebot nicht angenommen, denn die Fluggesellschaften haben Übergepäck als schier unerschöpfliche Einkommensquelle entdeckt. Haben sie früher ein Auge zugedrückt, wenn man statt 20 eher 28 kg auf die Waage brachte, und auf Interkontinentalflügen nach den USA sogar 65 kg Gepäck zugelassen, muss man heute sein Gepäck mehrfach wiegen. Jede Daune, die man hinzu tut, wird mächtig bestraft. Die Baumstämme dürften allerdings etwas mehr als Daunen wiegen, manche Stämme weisen Durchmesser von fast einem Meter auf.
Am interessantesten fand ich eine natürliche Brücke aus einem Baum, die sich in Achat verwandelt hat. Sie muss so etwa 200 Millionen Jahre gehalten haben, bis die Menschen Angst um ihre Zukunft entwickelt und sie abgestützt haben. Hoffentlich hält der Beton, der von der Berliner Kongresshalle hatte gerade mal 23 Jahre gehalten, bis das Dach 1980 zusammenfiel. Besonders lustig wäre es, wenn die Stütze bei der Aufgabe ihrer bestimmungsgemäßen Aufgabe den Baum mit in die Tiefe reißen würde.
Am Ende des Parks kann man die Nachbildungen von prähistorischen Tieren bewundern, wie ich sie nirgendwo anders gesehen hatte. Badlands gibt es ja nicht nur in den USA, sondern auch in Asien u.ä. Hier scheinen aber besonders garstige Viecher gelebt zu haben. Nun, ja. Mit uns können die es vermutlich nicht aufnehmen in Puncto Garstigkeit. Wir haben in nur 50 Jahren 90% des Fischbestandes der Ozeane aufgefressen, jagen die letzten Tune noch mit Flugzeugen und Hubschraubern, um daraus Sushi zu schnippeln.
Badlands zeigen einem aber auch, dass auch die Natur gewaltige Zerstörungen anrichten kann, wenn man so etwas überhaupt behaupten darf. Denn die Veränderungen der Natur gehören zur Natur und dauern sehr sehr lange. Fauna und Flora können sich darauf einstellen. Wo es aber zu schnell geht, um sich darauf einstellen zu können, sterben viele Spezies aus. So geschehen am Ende der letzten Eiszeit, als es den Mammuts und den Säbelzahntigern plötzlich zu warm im Fell wurde. Soll man das nu Zerstörung nennen, wenn in der gleichen Zeit ein Wunder wie das Great Barrier Reef entstanden ist? Das was man heute sieht, ist gerade mal 10.000 Jahre alt.
Petrified Forest stellt eine der nicht wenigen Highlights von Arizona dar. Für die Fahrt muss man etwa drei Stunden vorsehen, um nicht schnell durchzurauschen. Wer Zeit hat, kann sich beim Newspaper Rock niederlassen, um die Petroglyphen zu lesen. In der Nähe verläuft die Bahnlinie, auf der der Santa Fe Express fährt. Man kann nicht nur den Zug zum legendären Ort unter http://www.360cities.net/image/teepees-usa-2#117.70,0.00,83.9 bewundern.
Wie soll man sich eine bemalte Wüste vorstellen? Am besten so. Die Erde verwittert und gibt seine Geschichte preis. Je nach Tageszeit, Sonneneinfall oder Luftfeuchte, sieht man eine sich ständig ändernde Landschaft. In ihr verbergen sich nicht nur tote Mineralien, sondern viele Fossilien, von ihr leben - welche ein Wunder - hunderte Spezies. Badlands sind bad für den Menschen, der die Landschaft als Feld benutzen möchte. Hingegen finden die Tiere die Sache nicht so schlimm. Sie haben sich spezialisiert. Z.B. lebt in der Wüste von Arizona eine Kröte, die sich bis zu zwei Jahren tief in der Erde vergräbt und auf den nächsten großen Regen wartet. Dann gräbt sie sich nach oben und legt ihre Eier ab. Das allein wäre noch kein Wunder. Wunder kommt, wenn der weitere Regen ausbleibt. Die Kaulquappen dieser Kröte haben ein Gespür dafür, wie schnell der Tümpel wieder austrocknet. Geht die Sache für ihren Geschmack zu schnell, entwickeln sich einige von ihnen zu Monstern, die nicht nur die Geschwister auffressen, sondern auch die Eltern, damit sie ihre Metamorphose abschließen können. Dann geht es ab in die Tiefe. Man! Ist das ein Leben? Mama, Papa, Hansi vertilgen, vielleicht noch den Bello, und sich gemütlich machen in der Tiefe.
Painted Desert hört sich als Wüste warm an. Stimmt aber nicht, weil man sich hier in 1800 m Höhe befindet. Im Besucherzentrum kann man sich nicht nur aufwärmen, sondern auch mit Filmen über die Geschichte, die neuere und die geologische, informieren. Kurz nach dem Eingang kommt man zu einem Haus im Adobe-Stil, das Painted Desert Inn heißt, und als Museum dient. Man kann sich auch Pferde mitbringen und in der wahrlich bizarren Landschaft reiten. Allerdings muss man das Wasser mitbringen. Man ist ja in der Wüste. Das Futter auch, denn die Pferde dürfen nicht grasen. Die Pferdeäpfel dürfen hingegen da bleiben, damit die Wüste nach dem nächsten Regen in zwei Jahren kräftiger blüht.
Der Gesteinsverband, der in Painted Desert zutage tritt, lässt sich auch an anderen Stellen des Colorado-Plateaus bewundern. Man sieht in den Bildern deutlich, wie sich viele Gesteinsschichten wie Asche übereinander abgelagert haben. In der Konsistenz ähnlich der Boden etwa dem Tuffgestein in Kappadokien, aus dem die bizarren Kegel entstanden sind, nachdem das Wasser alles drumherum weg geschwemmt hat. Dieses, das Wasser, gibt der Landschaft nicht nur durch seine Anwesenheit Form und Ausdruck, sondern auch durch seine Abwesenheit eine einmalige Note: Man soll von erhöhten Stellen bis Kalifornien gucken können, so etwa 170 Meilen. Das allerdings ist mir nicht geglückt. Mein Horizont reichte bislang nur 20 Meilen auf See.
Painted Desert und Badlands
Yarramalong ist das Land der wilden Pferde