REISEN - REISEN
REISEN - REISEN
Bilder und Geschichten aus meinen Reisen
Nationalpark vom Feinsten - Zion
Großzügiges Geschenk einer Jungfrau
Als die Menschen, ich meine die Europäer, hierher kamen, erschien ihnen die Landschaft derart erhaben, dass sie an Gott oder Himmel gedacht haben. So belegten sie alles, was ihnen wichtig schien, mit biblischen Namen, auch gleich den ganzen Platz. Was die Indianer davon hielten, ist nicht überliefert, weil sich keiner darum geschert hat. Wir sind im Staate der Mormonen, die sich nicht einmal um die Kultur der restlichen USA geschert haben, bis sie als Staat aufgenommen werden wollten. Da musste die Vielweiberei offiziell abgeschafft werden, aber nur offiziell. Die Prohibition in gemilderter Form durfte man behalten, auch nachdem die USA dieser Art der Erziehung des Volkes abgeschworen haben.
Ob die immer wiederkehrenden Probleme des Tals mit dem Zorn des Manitu zusammenhängen, der sein Reich gern für sich behalten hätte, weiß ich nicht. Das Problem heißt „Flash Flood“ wie häufig in der Wüste. Man stelle sich vor, dass ein kaum fünf Meter breiter Bach sich plötzlich dazu ermächtigt fühlt, ein Tal von mehreren Hundert Metern Breite, bereichsweise über ein Kilometer, nicht nur aufzufüllen, sondern auch an den Kanten hochzukrabbeln. Schwer vorzustellen, wenn man in Nordeuropa wohnt. Bei dem Bach, der eigentlich Virgin River heißt, ist es leicht zu glauben, letztlich hat er das ganze Tal ausgegraben. Er ist nicht überall so klein und fein wie in Zion. Ist über 250 km lang und geht im Colorado auf. Aber vorher mischt er das Tal Zion mächtig auf, wenn Wind und Wetter gut zusammen passen. Der übliche Tourist, der die breiteren Teile des Tals, eigentlich Virgin River Gorge, bevölkert, ist der Gefährdung nicht so sehr ausgesetzt wie der Wanderer, der mit dem Bus an das Ende der Strecke fährt, um von dort aus im Gorge weiter zu kraxeln. Von dort aus weiter ist man nicht mehr in einem zivilisierten „Park“, sondern in der Wildnis.
Man wird eindringlich davor gewarnt, nicht allzu blauäugig in die Botanik zu stapfen, weil die flash floods ihrem Namen alle Ehre machen, wenn es mal ordentlich regnet, ganz wo anders flussaufwärts im Plateau. Besonders im August soll man sich besonders vorsehen.
Den Park kann man bequem mit dem Shuttle erkunden, den man ohnehin nehmen muss. Die Autos können mit besonderer Plakette bis zum Hotel, danach darf nur der Bus weiter. Tolle Idee.
Die prächtig aussehenden Felsen sind so fest wiederum nicht, dass sie sich vom Wasser nur äußerlich abschaben lassen. Das Wasser kann so gemein sein, dass es durch den Felsen durch geht. So einen weinenden Felsen konnte ich sogar filmen. Was wie ein Wasserfall aussieht, ist Gestein, aus dem Wasser gepresst wird. Es füllt eines der drei „Emerald Pools“ auf, drei Becken, die wegen ihrer Farbe so genannt werden (Smaragd“). Mich hat eher der ständig anwesende Regenbogen interessiert, der die Leute so fasziniert, dass sie nicht merken, dass sie nass werden.
Der Bus nimmt einen beim Besucherzentrum auf und fährt in 45 Minuten an die Stelle, an der man nur noch durchs Wasser waten oder im Canyon krabbeln kann. Bei der ersten Haltestelle gibt es ein Museum, in dem man auch Filme sehen kann. Ich glaube, niemand kann so eindrucksvoll Filme drehen, die man früher bei uns vor dem Hauptfilm im Kino erdulden musste, Kulturfilme, wie die Amis es tun. Selbst wenn man glaubt, alles zu kennen um eine Sache herum, lernt man garantiert viel Neues.
Nach dem Museum gibt es etwa 8 Stationen, bei denen man aussteigen und in die Botanik gehen kann. Das Angebot an Aktivitäten ist enorm. Nicht im geschlossenen Bereich aber in der Nähe, kann man sogar die wilden Nachfahren vom Dune Buggy über die Wüste jagen, mit einer vollautomatischen UZI schießen u.v.a.m. Alles, was der Mensch nicht braucht, wird angeboten. Selbst kleine Jungs dürfen ab 10 Jahre mit der UZI ballern. Im Park selbst herrscht hingegen himmlische Ruhe, weil die Autos weg sind. Nur Pferde gibt es zu mieten. Ansonsten auf des Schusters Rappen …
Leute, die wirklich himmlische Ruhe suchen, müssen sich nur etwas von der recht vollen Straße weg bewegen. Wir sahen sogar Bergsteiger hoch oben. Vom weinenden Felsen kann man etwa 700 m hoch zum Observation Point klettern, wofür man etwa 8 Meilen zurücklegen muss. Keine Sorge, es sind Landmeilen. Ein anderer trek führt einen in etwa 1.000 Höhe über dem Tal. Da wollte ich nicht hin, weil man für die etwa 15 Meilen zwei Tage brauchen soll. Das macht runde 24 km, die ein guter Wanderer in der Ebene in weniger als fünf Stunden schaffen kann. Selbst im Regenwald hatte ich einst 30 km am Tag geschafft, bei 35 ºC und fast 100 % Luftfeuchte. 24 km in zwei Tagen? Das spricht für die Landschaft.
Den Erstbesuchern wird empfohlen, etwa fünf Tage für Zion einzuplanen. Der schnelle Touri fegt in drei Stunden darüber und guckt sich zu Hause ein Video an, das man dort kaufen kann. Was Zion zu bieten hat, kann man hier http://www.travelwest.net/parks/zion/photo_gallery.html und hier http://www.travelwest.net/parks/zion/narrows.html bewundern lernen.
Virgin River Narrows ist gemäß National Geographic’s Adventure Magazine Nummer 5 unter den 100 besten Abenteuern in Amerika. Das will was heißen, denn so tolle Abenteuer wie rafting auf dem Colorado stehen nicht einmal auf der Liste. Das tollste Abenteuer hatten sich allerdings die Weißen geleistet, die hier Landwirtschaft betreiben wollten. Ein gewisser Nephi Johnson hatte etwa 1860 den Canyon und dessen landwirtschaftlichen Vorteile so toll beschrieben, dass viele Farmer den Canyon besiedelten, auch der, der dem Tal seinen Namen gab. Das Abenteuer hatte aber nach kurzer Zeit ein Ende, weil die „flash flood“ zwar nicht immer kommt, aber dann die ganze Ernte mitnimmt. Die indianische Bevölkerung war mittlerweile auch dezimiert ausgezogen. So wurde das Tal seinem letzten Zweck, dem Abenteuer als Nationalpark übergeben.
Weinende Felsen und andere Kuriositäten
Yarramalong ist das Land der wilden Pferde