Assuan
Assuan hat sich als eine schöne Stadt präsentiert, obwohl das Wetter nicht gerade für einen ansehnlichen Anblick geeignet war. Wir sind bereits in der Nacht von einem Sandsturm angetrieben eingelaufen. Daher fiel auch einer der schönsten Augenblicke ins Wasser, pardon, in den Sand: Fahrt mit einer Feluke über den Nil. So saßen wir abends im warmen Salon - auf der Sonnenterrasse fegte der Sturm - und am nächsten Morgen in einem Motorboot. Was ich hier nicht sehen konnte, gab es drei Tage später auf Arte, sogar das Boot in dem wir saßen. So ein Zufall!
Assuan hat eine unendlich lange Promenade (Corniche el-Nil) mit einer unendlich langen Reihe von vertäuten Hotelschiffen. An der Promenade warten Kaleschen auf Touristen, als Kind kannte ich die als Phaetons, die hier waren wohl Landauer. Die Stadt ist lebendig, aber gegenüber Kairo eine Erholung.
Das Boot führte uns derart geschickt durch die stürmischen Gewässer, dass ich die seemännischen Fähigkeiten des Führers bewundern musste. Es lief einfach vor Wind und Welle ab und drehte hinter den Felsen um, wo wir geschützt waren. Am heftigsten wurde die Insel Elephantine bewundert, von wo im Altertum der Rosengranit herkam, den nur die Bauvorhaben des Pharao benutzen durften. Die Insel hieß wohl Elefantenlagerplatz. Eine kleine Stelle am Wasser besaß eine große Bedeutung von der Antike bis zum Ende des 19. Jahrhunderts - das Nilometer. Diese Stelle mit 90 Stufen diente zur Messung des Wasserstandes, wonach man nicht etwa die Flutwarnsysteme aktivierte, sondern die Finanzbeamten. Die Steuern für die Bauern wurden nämlich nach dem Stand des Hochwassers bestimmt.
Im Alten Ägypten war Elephantine die Grenze zwischen Ägypten und Nubien. Sie bildete einen natürlichen Schiffspassagepunkt für den Flusshandel; die Insellage machte sie zu einem wichtigen strategischen Verteidigungsplatz im Altertum. Dementsprechend häufig wurden auf ihr Festungen gebaut.
Der Name Assuan kommt vom Koptischen, der Sprache der christlichen Einwohner. Ihre Kirche kann man vom Nil aus sehen. Früher, ganz früher, gab es hier sogar jüdische Soldaten. Die Perser hatten sie hier stationiert. Wer noch so alles hier gewesen ist? Nubier, Römer, Griechen, Byzantiner, Araber, Mamluken, Türken, Engländer - wenn es denn reicht. Dennoch betrachten sich heute fast alle Ägypter als Ägypter. Ein Wunder!
Der Markt von Assuan ist sehenswert. Allerdings sollten Frauen dort nicht allein hingehen. Man wird überall angemacht, wer nicht einkauft, auch beschimpft. Der Teil, in dem Ägypter einkaufen, ist wesentlich angenehmer.
Vom Wasser aus kann man das Cataract Hotel bewundern, in dem Agatha Christie „Der Tod auf dem Nil“ geschrieben hat. Für mich die zweite Begegnung mit der Dame, in Istanbul im Pera Palas Hotel hat sie den „Orient Express“ geschrieben. Das Hotel, vielmehr die zur Renovierung anstehende Ruine, sah im Sandsturm gespenstisch aus.
In Assuan kann man einen Steinbruch bewundern, aus dem viele Obelisken kamen. Die Dinger wogen zuweilen über 300 Tonnen und wurden im Stück aus dem Felsen gesprengt. Eine erstaunliche Technik, denn die Alten Ägypter hatten keine Zeit gehabt, un die Erfindung des Pulvers, oder besser des Dynamit, abzuwarten. Die Sprengung haben sie mit kleinen Stückchen Holz geschafft. Sie haben eine Reihe kleiner Löcher in den Felsen geschlagen, in die die Holzkeile gesteckt wurden. Diese wurden mit Wasser übergossen und quollen auf. Bis eines schönen Tages der Stein nachgibt. Im Assuan liegt noch ein unvollendeter, der etwa 1.000 Tonnen wiegt. Den größten Obelisken ließ - wer wohl - Hatschepsut herstellen und aufrichten. Er steht bis heute im Amun-Tempel in Karnak und ist 32 m hoch. Eigentlich lassen nur alte Männer so große Stelen aufstellen, als Ausgleich verlorener Fähigkeiten. Was wollte die Dame?
Assuan
Kappadokien ist das Land der schönen Pferde