Es geht imposanter …
Langsam an der Weltgeschichte vorbei - oder auch mal nicht ganz langsam. Das Hotelschiff, keine Kleinigkeit mit großen Salons und etwa 100 Betten, gleitet auf dem Wasser des Nils, der trotz der Regulierung ganz schön mächtig ist. Fast alle 200 km zwischen Luxor und Assuan sind bewohntes Gebiet, was auf dem Wasser nicht allzu große Probleme bereitet, aber auf dem Landweg.
Anders als die häufig verschmutzt aussehenden Flüsse anderswo sieht der Nil sauber und gesund aus. Überall saftig grün in Flussnähe - und garstig Wüste dahinter. Manchmal verlieren sich die Berge hinter dem Horizont, manchmal enden sie fast am Wasser. Kein Nil - kein Ägypten, so einfach die Formel.
Die erhofften Nilkrokodile wird der Touri nicht sehen, die sind seit dem Bau des ersten Assuan Dammes ausgerottet worden. Wer sich dennoch den Todes verachtenden Helden geben will, braucht nur etwas vom Wasser in den Seitenkanälen zu trinken oder dort zu baden. Der deutsche Tropenarzt Theodor Bilharz hat bei Obduktionen in einer Kairoer Klinik entdeckt, dass in der Leber von Menschen Saugwürmer sich breit gemacht hatten, die von einer Schnecke ins Wasser entlassen werden. Eine schlimme Krankheit! Kein Anlass zu einer Mutprobe.
Dafür fehlen hier wohl die anderen tödlichen Minierreger wie die der Malaria. Es gibt wohl eine Reisewarnung, dass Ägypten Malarialand sei. Die kann man ruhig in den Wind des Nil schlagen. Sonst müsste man auch Hessen Malarialand nennen, weil am Flughafen von Frankfurt des öfteren infizierte Mücken ankommen. Auch wer ängstlich ist, sollte keine Malariaprophylaxe mitnehmen. Die nützt eh nichts.
Man sitzt auf dem Schiff auf einer riesigen Terrasse, lässt sich Kaffee oder Bier servieren und gleitet an Häusern, Tempeln, Feluken oder Badestränden vorbei. Da der Nil manchmal recht breit ist und das schiffbare Hotel mal das Ostufer mal das Westufer ansteuert, sollte man ein Fernglas, pardon, Marineglas, mitnehmen. So kann man Details sehen, die den meisten nicht einmal auffallen. Z.B., dass es hier Eisvögel mit Schwarz-Weiß-Muster gibt. Oder Pelikane. Auch eine Unterscheidung der Seidenreiher von den häufig vorkommenden Kuhreihern ist so möglich, sofern erwünscht.
Das mit dem Bier möge man sich gut überlegen. Zwar haben die Ägypter das Bier erfunden und vermutlich auch das Glas. Warum sie aber manche Flasche Bier erst jetzt servieren, konnte ich mir nicht erklären.
Und plötzlich kamen sie, die Piraten. Als unser Hotel auf einen gemütlichen Gang zurück geschaltet hatte, kam ein kleines Ruderboot auf uns zu und rammte fast das Schiff. Zum Bug des Schiffes flog eine Leine rüber und wir schleppten das Boot ab. Die Einzelheiten habe ich erst bei der Prüfung meiner Videos sehen können, weil ich gerade mit Filmen beschäftigt war. Und es wurden ständig mehr Boote. Am Ende hielt unser Schiff an. als es allseits von kleinen Booten umringt war. Ach, ja. Jemand hatte die Geschichte früher erzählt. Die Piraten sind Kleinhändler, die ägyptische Kleidung und Tücher anbieten. Man braucht sie für den Orientalischen Abend, der immer an dieser Stelle stattfindet, weil das Schiff in die Schleuse muss. Früher soll man hier manchmal Tage gewartet haben, heute ist man recht schnell fertig, weil zwei Kammern vier Schiffe auf einmal schleusen können. Da die Szenen recht aufschlussreich sind, zeige ich sie auf dem Video.
Man achte darauf, in welcher Sprache die Kunden gesucht werden. Die meisten riefen nach Italienern, die Spanier folgten in der Skala der Beliebtheit als nächstes Volk. Nach deutschen Kunden rief kaum jemand. Abends sah man, was das bedeutete. Am lustigsten waren die Italiener kostümiert, gefolgt von …. Es war ein lustiger Abend, an dem jeder seinen Spaß hatte. Die Besatzung hat sich große Mühe gegeben, obwohl sie keine besonderen Trinkgelder erwarten konnte. Es ist üblich, dass die Reisegruppen ihre Trinkgelder sammeln und in eine Kasse einzahlen. Daher gibt es meistens kein extra Trinkgeld. Trotzdem wurden wir nicht nur an diesem Abend sehr gut bedient und unterhalten. Eine große organisatorische Leistung in einem Land, wo jeder die Hand aufhält, auch wenn er fast nichts gemacht hat.
Bei der Fahrt durch die Schleuse konnte man auch sehen, warum man hier früher halbe Tage verbringen musste, auch als Autofahrer aus der benachbarten Stadt. Die Straße über den Fluss führte über die Schleuse. So hatte man die Wahl, die Autos oder die Schiffe durch zu lassen. Man kann sich ausmalen, wonach die Prioritäten gesetzt wurden. Vorbei. Alles professionell organisiert. Wir hatten bei einer Großindustrie gebucht, die problemlos für die Kunde funktionierte.
Wer übrigens glaubt, die Händler hier hätten überhöhte Preise verlangt, liegt falsch. Für die artistische Leistung, die sie mit dem Anlegen am Schiff und Hochwerfen der Ware erbracht haben, verlangten sie recht bescheidene Preise. Übrigens, die einzige Stelle, wo man in Ägypten dem Händler beim Handeln überlegen ist, weil hoch über ihm platziert.
Nachdem man sich angeguckt hat, was die Händler hier erlöst haben, kann man beim Abendessen den großen Luxus leider nicht mehr genießen.
Luxor nach Assuan
Die vielen Dinge, die man auf dieser Tour erleben kann, sind vielfach dokumentiert. Z.B. die Quellen der Steine, die verbaut wurden (Dschabal as-Silsila http://de.wikipedia.org/wiki/Dschabal_as-Silsila), die best erhaltenen Tempel von Edfu (http://de.wikipedia.org/wiki/Edfu oder http://www.meritneith.de/edfu.htm), der Doppeltempel von Kom Ombo (http://de.wikipedia.org/wiki/Doppeltempel_von_Kom_Ombo oder http://www.alfredrichter.de/Reiseberichte/Egypt/Mittelagypten/Edfu/edfu.html). Zu empfehlen ist, die Reiseberichte von denen zu lesen, die die Tour mit den segelnden Hotels wie da oben gemacht haben. Die haben nämlich keinen Krachmacher an Bord und segeln sachte über den Nil. Der Motor folgt auf einem Schlepper nach. Wenn der Wind mal nicht will, wird das Hotelboot eine Weile geschleppt. Der Lärm bleibt aber trotzdem draußen. Die Leute auf den Booten sehen und vor allem hören mehr als solche Leute wie wir.
Kappadokien ist das Land der schönen Pferde