Geht es imposanter?

 

In Luxor bzw. Theben findet man die größte Tempelanlage der Geschichte - den Karnak Tempel.  Dort spielt z.B. die Zauberflöte ab. Eine wenig erzählte Geschichte hat sich auch abgespielt. Sie ist beispielhaft für die „Rettung“ der archäologischen Schätze durch Europäer, die sich rühmen, diese vor dem Untergang gerettet zu haben, so wie die Elgin Marbles vom Parthenon. Sie hatten bis zu ihrer „Rettung“ mehr als zwei Jahrtausende überdauert und wurden im British Museum durch Restaurierungsarbeiten schwer beschädigt. So geschah es auch in Karnak, als der als Archäologe werkelnde französische Ingenieur die Umwehrung der Anlage aufmachte. Nach Aussagen unseres Guides soll der Nil so mit 75 km/h durch die Anlage gestürmt sein und dabei viele der riesigen Säulen umgerissen. Die 75 km/h können nicht stimmen, aber die Zahl der umgefallenen Säulen schon. 

Keine der Tempel der Welt kann mit Karnak aufnehmen. Die Anlage ist einfach Sonderklasse. Sie besteht aber nicht aus einer einzigen Anlage, vielmehr wurde an ihr fast zwei Jahrtausende gebaut. Wer wann wo sich etwas bauen ließ, kann man diversen Büchern, aber auch Touristenführern entnehmen. Für mich interessant war indes, dass zwei Frauen, die großen Ärger verursacht haben, hier verewigt sind, und der Mann, der die alten Götter Ägyptens los werden wollte (Echnaton). Er, der Erfinder des monotheistischen Glaubens lange vor Moses, hat die alten Götter auf ihr Altenteil geschickt, bis die Priester mit ihm dasselbe taten. Amenophis IV lebte um 1340 v.Chr. zusammen mit seiner Gemahlin Nofretete, die erste Dame mit Ärger. Ihre Büste bildet das Glanzstück des Neuen Museums in Berlin, wo alleine die Planung der Beleuchtung einige Wochen gedauert hat. Sie musste ins richtige Licht gerückt werden. Das gefällt einem Herrn in Kairo nicht, Zahi Hawass, der die Nofretete am liebsten in Kairo im Ägyptischen Museum sehen möchte. Na, ja, sehen kann man das nicht nennen, wenn die Büste dort stünde. Das Museum, einst für 5.000 Stücke gebaut, beherbergt 100.000 davon und verbreitet den morbiden Glanz einer Rumpelkammer. Nofretete im fahlen Licht von verstaubten Neonlampen aus der zweiten Dynastie nach König Faruk?

Die zweite Dame hat schon zu Lebzeiten für Ärger gesorgt. Hatschepsut. Sie war nämlich nicht Gattin eines Pharao, sondern eine echte Pharaonin. Pardon, zuweilen hatte sie auch einen Gatten, damit die Priester sie anerkannten. Der war allerdings ihr Bruder. Sie hat sich auch als Mann darstellen lassen, um als Herrscher(in) anerkannt zu werden. Dummerweise war sie nicht nur sehr erfolgreich als Reformatorin und Kriegsherrin, sondern auch sehr emsig in der Selbstdarstellung. Allein ihr Grabdenkmal im Tal der Könige - sie wollte nicht im Tal der Königinnen bestattet werden - bietet eine monumentale Architektur ohne Vergleich. Einer oder mehrere ihrer Macho-Nachfahren hat viele Erinnerungsstücke an sie vernichten lassen, damit die Schande in der Reihe der Pharaonen getilgt werde. Vergeblich. Sie beherrscht auch heute die Diskussion im Karnak Tempel sowie im Tal der Könige. Hatschepsuts Regierungszeit wird insgesamt als eine blühende Epoche beurteilt, die zu den Glanzzeiten der ägyptischen Geschichte gezählt wird. Schlimmeres kann der Machowelt wirklich nicht passieren.

Die großartigen Tempel Luxor und Karnak sind Zeugnisse einer Unterweltkultur, betrieben durch eine Priesterkaste, der es auch mal gelang, einen Pharao aus der Liste streichen zu lassen. Sie stehen auf der Ostseite des Nils und stehen für das Leben. Auf der Westseite wurden die Pharaonen begraben, im Tal der Könige. In der Nähe, aber nicht dort, liegen die Königinnen. Bereits im Altertum wurden die Gräber ausgeraubt und die Räuber vor Gericht gestellt (die volle Geschichte multimedial aufbereitet gibt´s bei ARTE als „Die alten Ägypter). Obwohl das ganze Tal der Könige voller Gräber ist, sticht eines davon auf das größte Interesse, das Grab von King Tut bzw. in voller Pracht twt-ˁnḫ-ı͗mn; tVwa:t-ʕa:nəx-ʔaˡma:n oder Tutankhamun. Nicht dass er etwas Besonderes angestellt hätte.


Sein Papa war Echnaton, wie die DNA-Analyse gezeigt haben soll. Die Mama könnte die Nofretete gewesen sein, oder deren Tochter Maketaton. Wie auch immer - seinen Ruhm verdankt King Tut einem Geröllhaufen. Sein Grab wurde bis 1922 von niemandem entdeckt, obwohl die Grabräuber ansonsten bereits beim Bau der Grabkammern ihre Tätigkeit aufnahmen. Bei Tut war es anders, weil man beim Bau einer anderen Grabkammer den Schutt vor seine Ruhestätte geschoben hatte.



So verdanken wir den wohl besten Fund ägyptischer Kultur der Faulheit einiger Bauarbeiter. Was die weniger faulen geschafft haben, kann man aus den Bildern auf der linken Seite erahnen lernen. Am besten ist es aber, hinzufahren. Denn egal wie Bilder und Texte auch lügen mögen, die wahre Größe der Dinge, die man um Luxor sieht, können sie nicht darstellen.



 

In und um Luxor